Weltweit existieren wohl nur noch drei Nördliche Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum cottoni): der Bulle Sudan, seine Tochter Najin und seine Enkelin Fatu. Faktisch ist diese Unterart der Breitmaulnashörner also ausgestorben, zumal die beiden Weibchen laut veterinärmedizinischer Untersuchungen auf natürliche Weise nicht empfängnisfähig sind und Sudans Spermienzahl angesichts seines fortgeschrittenen Alters von 43 Jahren mittlerweile sehr niedrig liegt. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis auch theoretisch keine Fortpflanzung mehr möglich ist. Immerhin rührt Sudans Schicksal die Weltgemeinschaft, wie ein Twitterpost des Biologen Daniel Schneider zeigt. Innerhalb weniger Stunden wurde es zigfach in den sozialen Medien geteilt und geliked.

Das Bild zeigt den betagten Bullen, wie er scheinbar traurig in einer Ecke seines Geheges in Kenia liegt. Dorthin wurde Sudan 2009 zusammen mit seinen beiden Verwandten und dem inzwischen verstorbenen Männchen Suni aus einem tschechischen Zoo verfrachtet. Artenschützer hatten gehofft, dass das Klima und die natürliche Umgebung die Tiere zur Vermehrung anregen würde. Doch alle Hoffnungen wurden bislang enttäuscht. Im April 2017 eroberte Sudan sogar die Dating-Plattform Tinder – allerdings nicht um eine Partnerin zu finden, sondern um Aufmerksamkeit und Spenden für die letzten seiner Art zu erzielen. Mit dem Geld sollten Versuche bezahlt werden, Eier der beiden Weibchen künstlich in vitro mit Sudans Samen zu befruchten, was zuvor noch nie bei Nashörnern gemacht wurde. Nördliche Breitmaulnashörner wurden wie alle ihre Verwandten massiv gewildert, um an ihr Horn zu kommen, das in Ostasien als (tatsächlich unwirksame) Wunderwaffe gegen Krebs gilt.