Eine Welt ohne Bienen, in denen Obstbäume und Rapspflanzen künstlich bestäubt werden müssen: Das sind die Ängste von Biologen oder Imkern, die sich um die Zukunft der Bestäuber sorgen. Denn die Zahl der Bienen hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Vor allem Insektenschutzmittel der Klasse der Neonikotinoide gelten als Auslöser für das Bienensterben.

Wo und wie stark Bienen weltweit überhaupt diesen Insektiziden ausgesetzt sind, haben jetzt Forscher um Edward Mitchell von der Université de Neuchâtel in der Schweiz ermittelt. Sie haben dafür in den Jahren 2012 bis 2016 im Rahmen eines "Citizen-Science"-Projekts auf der ganzen Welt Honig sammeln lassen und aus allen Kontinenten (außer der Antarktis) 198 Honigproben erhalten. In diesen haben die Forscher dann nach den fünf am häufigsten genutzten Verbindungen gesucht: Acetamiprid, Clothianidin, Imidacloprid, Thiacloprid und Thiamethoxam. Diese Neonikotinoide gehören zu den insgesamt am meisten eingesetzten Insektengiften. Landwirte versuchen damit Nutzpflanzen wie Mais, Kartoffeln oder Raps vor dem Fraß von Schädlingen zu schützen.

Wie die Forscher im Fachmagazin "Science" schreiben, haben sie im Ergebnis in 75 Prozent – also in fast 150 Honigproben – Neonikotinoide nachweisen können. In Nordamerika war mit 86 Prozent der Anteil belasteter Proben am größten, dicht gefolgt von Asien und Europa mit 80 Prozent. In Südamerika fanden sie den geringsten Anteil, hier waren es aber immer noch 57 Prozent. Mit ihrer Weltkarte, in denen sie ihre Messungen eingetragen haben, ergänzen sie damit das bislang lückenhafte Bild über das Ausmaß der Belastung. Allerdings fehlen auch jetzt noch Daten zu einigen Ländern.

Die genaue Beteiligung dieser Gifte am Bienensterben ist noch umstritten, dennoch haben die Forscher in 34 Prozent der Honigproben Neonikotinoidkonzentrationen gefunden, von denen bekannt ist, dass sie schädlich auf Bienen wirken. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Insektizide einen erheblichen Anteil am Rückgang der Bienen haben können. Schaden nehmen hier allerdings im Wesentlichen die Bienen: Der durchschnittliche Gehalt lag bei einer Konzentration von 1,8 Nanogramm pro Gramm, also unterhalb der zulässigen EU-Grenzwerte für den menschlichen Verzehr. Diese liegen beispielsweise für die beiden Neonikotinoide Acetamiprid und Thiacloprid bei 50 Nanogramm pro Gramm Honig. Nur bei einem Honig aus Polen und einem aus Deutschland wurden die Grenzwerte aller vier Insektizide in der Summe überschritten.

Für präzisere lokale Aussagen fehlen den Forschern aber noch die Mengenangaben an Neonikotinoiden und anderen Pestiziden, die vor Ort auf die landwirtschaftlichen Felder aufgebracht werden. Am Ende ihrer Studie fordern sie daher mit Nachdruck die nationalen Landwirtschaftsbehörden dazu auf, diese Zahlen öffentlich zu machen.

Seit 2013 dürfe ein Teil dieser Insektizide in der EU nur noch eingeschränkt benutzt werden. Am 30. November 2017 soll die endgültige Gesamtbewertung der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vorgelegt werden. Auch Frankreich denkt über ein Totalverbot nach. Die Hersteller klagen schon gegen das Teilverbot.