Sie können bis zu einer Tonne wiegen und drei Meter im Durchmesser erreichen – was Mondfische (Mola mola) mit zu den größten Knochenfischen der Erde macht. Und sie gehören zu den skurrilsten Vertretern ihrer Reihe, denn ihr Körper ist nicht stromlinienförmig aufgebaut wie das der meisten anderen Fische, sondern wirkt mit seinem hochrückigen und seitlich zusammengedrückten Körper eher wie ein schwimmender Kopf. Das macht die Mondfische zu eher schlechten Schwimmern, die sich von der Strömung mitreißen lassen – und diese trieb nun die eigentlich in den Tropen und Subtropen lebende Art im November in die Ostsee ab, wie das Thünen-Institut für Ostseefischerei meldet: Zwei tote Tiere wurden am ersten Dezemberwochenende an einem Strand bei Rostock beziehungsweise in einem Schleppnetz in der Mecklenburger Bucht gefunden.

Dabei handelte es sich um Jungtiere, denn die Exemplare wogen nur zehn Kilogramm und hatten einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Die charakteristische Gestalt der Mondfische wiesen sie aber bereits auf. "Die Tiere wurden wahrscheinlich mit dem Einstromwasser im November aus dem südlichen Kattegat durch den Großen Belt bis in die Mecklenburger Bucht gespült, vermutet Uwe Krumme vom Thünen-Institut. Das Auftreten der Exoten falle damit zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres mit einem massiven Zustrom großer Mengen salz- und sauerstoffhaltigen Wassers ins größte Brackwassermeer der Welt zusammen. Allerdings sterben die Mondfische in dieser Umgebung relativ schnell, weil es ihnen hier an Nahrung mangelt. Zudem sind die Wassertemperaturen und der Salzgehalt der Ostsee für die Bedürfnisse der Fische zu niedrig. Dennoch ruft das Institut die Bevölkerung zur Mitarbeit auf, denn die Wissenschaftler wollen das Auftreten dokumentieren: Fischer, Angler und Strandbesucher mögen daher bitte Exoten an das Institut melden.

Mit dem Klimawandel hat das Auftauchen der Fische allerdings nichts zu tun: In unregelmäßigen Abständen strömen gewaltige Mengen Nordseewasser in die Ostsee, was diese zur Auffrischung dringend braucht. Das geschieht nur durch seltene Wetterlagen, bei denen auf eine starke Ostwindphase mit Ausstrom unmittelbar starke Westwindphasen folgen, die das Wasser ostwärts drücken. Die Nordsee ist sauer- und nährstoffreicher als die relativ stark isolierte Ostsee, so dass der Einstrom gerade auch die tieferen Wasserbecken durchlüftet. Nach Jahren der Stagnation ereignete sich im Dezember 2014 der größte Salzwasserzufluss seit 60 Jahren. Bereits kurz nach Weihnachten 2014 gingen deshalb einigen Fischern Mondfische ins Netz und wurden tote Exemplare an Stränden gefunden. Der diesjährige Novembereinstrom ist laut ersten Abschätzungen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung ungefähr halb so stark wie der im letzten Jahr. Dennoch sollte er den Zustand der Ostsee weiter verbessern, so die Hoffnung. Ausgelöst wurde das Ereignis von zwölf Sturmtiefs, die seit Anfang November über den Ostseeraum hinweggezogen waren.