"Seeschmetterling" – so wird die Meeresschnecke Limacina helicina ähnlich wie ihre zahlreichen Verwandten aus der Unterordnung Thecosomata oft genannt. Nun konnten Wissenschaftler um David Murphy vom US-amerikanischen Georgia Institute of Technology erstmals zeigen: Das kleine Weichtier trägt seinen malerischen Namen zu Recht, denn es bewegt sich im Wasser mit der gleichen Technik fort, die viele Insekten zum Fliegen benutzen.

Im Gegensatz zu an Land lebenden Schnecken, die gemächlich auf ihrem einen Fuß vorwärtskriechen, besteht der Fuß von Limacina helicina aus zwei flügelartigen Lappen. Forscher vermuten bereits länger, dass die Tiere diese nutzen, um sich ähnlich wie anderes Zooplankton auch im Wasser paddelnd fortzubewegen – ganz genau hat bislang aber noch niemand hingeschaut. Das ist im Fall von Limacina helicina auch gar nicht so einfach, denn die Schnecken sind vergleichsweise selten. Zudem bewohnen sie üblicherweise arktische Gewässer, was es schwierig macht, sie ins Labor abzutransportieren und dort bei authentischen Schwimmbewegungen zu beobachten. Murphy und sein Team lösten das Problem, indem sie die Schnecken über Nacht in einem isolierten, gekühlten Wassertank mit besonders sauberem Wasser verschifften und direkt mit ihren Studien begannen. Dazu brachten die Forscher ein v-förmiges Konstrukt am Boden des Wassertanks an, das dafür sorgte, dass die Tiere regelmäßig in den mittleren Bereich des Tanks aufstiegen, wo bereits vier High-Speed-Kameras darauf warteten, ihre Bewegungsabläufe bis ins kleinste Detail aufzuzeichnen.

Bei der Auswertung der Daten entdeckten die Wissenschaftler, dass Limacina helicina offenbar genau so schwimmt, wie sich beispielsweise Taufliegen durch die Lüfte bewegen: Die Schnecken schlagen ihre Flügel zusammen und schälen sie anschließend wieder auseinander, wobei Wasser in die v-förmige Öffnung zwischen den Flügelspitzen gesaugt wird und ein ähnliches Niederdrucksystem entsteht wie jenes, das den Insekten beim Fliegen Auftrieb verleiht. Die Flügel beschreiben dabei eine Acht. Entsprechend, so glaubt Murphy, könne man die Seeschmetterlinge also tatsächlich als eine Art "Ehren-Insekten" betrachten.