Rot am Wasserhahn bedeutet heiß, blau dagegen kalt – so haben wir es gelernt. Und so betrachten wir eigentlich auch Objekte und Farben: Rot steht für Wärme, Blau für Kühles. Und doch scheint unser Gehirn in der Temperaturwahrnehmung bisweilen durcheinanderzukommen, wie eine Studie von Hsin-Ni Ho und seinen Kollegen zeigt. Der Kommunikationsforscher der japanischen Telegraph and Telephone Corporation ließ Testteilnehmer in einer extrem dunklen Kammer die Hand auf eine Leuchtplatte auflegen, die temperaturgesteuert war und entweder blau oder rot aufleuchtete. Anschließend befragten die Wissenschaftler ihre Probanden, was sich denn wärmer angefühlt hätte. Zur großen Überraschung antwortete die Mehrheit, dass sich das blaue Licht wärmer gewesen wäre, obwohl die Leuchtplatte im Test jeweils auf die gleiche Temperatur eingestellt worden war. Erst als die Temperatur des roten Lichts um 0,5 Grad Celsius nach oben gedreht wurde, kehrte sich auch die Wahrnehmung um und rot wurde als wärmer empfunden.

Tatsächlich spielt uns das Gehirn dabei einen Streich: Wir meinen, dass rot wärmer sein müsse. Berührt man dann aber ein blaues Objekt, das genauso warm ist wie ein rotes, dann geht das Gehirn davon aus, dass dieses aufgeheizt worden sein musste: Das blaue Licht wird folglich als wärmer empfunden. Das funktioniert aber offensichtlich nur bei direkter Berührung, was Ho und Co erstmals testeten. In einem zweiten Test bestrahlten sie die Hände mit rotem beziehungsweise blauem Licht, während ihre Testteilnehmer Objekte anfassen mussten. In diesem fühlten sich die Gegenstände für sie wärmer an, wenn ihre Hand mit Rotlicht bestrahlt wurde, obwohl diese Dinge tatsächlich kühler waren als die Objekte, die sie unter Blaulicht berührten. "In diesem Fall denkt unser Hirn, dass eine rote Hand bereits warm ist, weshalb wir insgesamt das gesamte Objekt als wärmer empfinden."