Jeden Winter sterben in Großbritannien zwischen 50 000 und 100 000 Enten, Schwäne und Gänse durch Bleimunition – aber nicht, weil sie damit geschossen werden, sondern weil sie Bleikügelchen und -splitter mit Nahrung verwechseln und sich dadurch vergiften. Das zeigt eine Studie von Deborah J. Pain und Co von der University of Cambridge, die auf einer Tagung zum Thema in Oxford vorgestellt wurde. Bei überwinternden Schwänen aus Nordeuropa geht ein Viertel der festgestellten Todesfälle auf diese Ursache zurück. Dazu kommen hunderttausende weitere Tiere, die außerhalb der winterlichen Jagdzeit davon kontaminiert und schwer in ihren Körperfunktionen beeinträchtigt werden oder sterben: Blei ist ein Nervengift, das die Reaktionsfähigkeit und Denkleistung erheblich mindert. Bleischrot ist mittlerweile die wichtigste Quelle, die dieses Schwermetall in die Umwelt einträgt.

Bleipartikel gelangen auf verschiedenen Wegen während der Jagd in die Natur – etwa durch Fehlschüsse oder wenn Jäger den Schusskanal aus den erlegten Tieren schneiden und zurücklassen. Viele Wasservögel halten die Kügelchen für Nahrung und fressen sie, so dass sich das Schwermetall im Körper anreichern kann. Schon geringe Mengen können jedoch die Wahrnehmung trüben und Nervenschäden verursachen. Neben Enten und Co vergiften sich auch Aasfresser und Beutegreifer damit, wenn sie kontaminiertes Fleisch schlucken, das beispielsweise von Tieren stammt, die bei der Jagd verwundet wurden, oder Überreste von erlegtem, aber unsachgemäß entsorgtem Wild vertilgen. Bleikontamination ist zum Beispiel die wichtigste nicht natürliche Todesursache von Seeadlern in Deutschland: Die Greifvögel nehmen das Schwermetall über Aas und verletzte Wasservögel auf.

Viele deutsche Bundesländer haben deshalb bereits die Jagd mit Bleimunition an Gewässern verboten. In vier Bundesländern – Schleswig-Holstein, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg – gilt dies sogar generell oder wird sehr stark auch in Wäldern reglementiert. Angesichts der toxischen Wirkung fordern Naturschützer ein generelles Verbot in Deutschland und Europa, doch wehren sich viele Jäger dagegen: Kupfer- oder Stahlgeschosse hätten eine schlechtere Tötungswirkung, weshalb Tiere stärker litten beziehungsweise verletzt entkommen können. Zudem sei die Gefahr durch Querschläger erhöht, weil sich diese Geschosse nicht so leicht verformen wie Bleikugeln und daher eher von Bäumen abprallen können. Die Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde hat die tierschutzgerechte Tötungswirkung der bleifreien Munition allerdings bereits auf Grundlage von 11 000 Abschussberichten geprüft und keine signifikanten Unterschiede zur Bleimunition festgestellt.