News | 08.08.2013 | Drucken | Teilen

Tropenmedizin

Breit ansetzender Malariaimpfstoff nimmt nächste Hürde

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Gegen die häufigste tödliche Tropenkrankheit Malaria ist noch immer kein ausreichend und nachhaltig wirksamer Impfschutz verfügbar. Dabei weiß man seit gut vier Jahrzehnten recht genau, was fast so gut wie ein dichtes Moskitonetz vor einer Infektion schützen kann: Rund 1000 mit den infektiösen Parsitenstadien infizierte Malariamücken massiv zu bestrahlen, um sie dann auf einen zu impfenden Menschen loszulassen. Diese Prozedur trainiert das Immunsystem der tausendfach gestochenen, mit abgeschwächten Parasiten konfrontierten Betroffenen besser und langfristiger als alle bis heute hergestellten künstlichen Vakzine. Seit Langem versuchen Forscher, dieses Wissen für ein weniger aufwändiges und belastendes, aber genauso effizientes Verfahren zu nutzen. Nun scheint ein Team von Malariaforschern die Formel dafür gefunden zu haben.

Die 42 Wissenschaftler des VRC312-Study-Teams unter der Leitung der National Institutes of Health der USA in Bethesda haben in einer klinischen Phase-1-Studie insgesamt 57 Freiwillige untersucht. Einen Teil der Probanden impften sie vier- bis sechsmal intravenös mit den abgeschwächten Infektionsstadien (den Sporozoiten) des Malariaerregers Plasmodium falciparum. Dann testeten sie, ob die Freiwilligen gegen eine echte Infektion geschützt waren. Die Auswertung ergab, dass der attenuierte Sporozoiten-Impfstoff tatsächlich schützte – offensichtlich, weil der Körper nach der Vakzinierung mehrere unterschiedliche Immunprozesse gegen den Parasiten in Stellung bringt.

Immunogene des Malaria-Vakzins
  Immunogene des Malaria-Vakzins
Die Immunogene des PfSPZ(Plasmodium-falciparum-Sporozoiten)-Vakzins leuchten hier hell markiert. Der Impfstoff enthält attenuierte – also abgeschwächte – Sporozoiten des Malariaerregers: jener Infektionsstadien, die beim Mückenstich vom Insekt auf den Menschen übertragen werden.

So fanden sich im Blut der Geimpften von der Vakzindosis abhängige Mengen verschiedener Antikörper und T-Zellen gegen unterschiedliche Angriffsziele auf den Sporoziten. Diese vielfältige Reaktion scheint einer der Gründe für den Erfolg des Impfstoffs zu sein: Statt nur eine Stelle des Parasiten massiv zu attackieren, greifen mehrere Mechanismen zugleich, vermuten die Autoren. Die Immunantwort ähnelt jener von Probanden, die sich in früheren Versuchen der mühsamen Impfprozedur durch Hunderte von Malariamücken unterzogen hatten.

Moderne Impfstoffe wie etwa das zuletzt recht erfolgversprechend getestete RTS,S/AS01 basieren meist auf nur einem Antigen, welches dann vom Immunsystem erkannt wird. Hierbei wird allerdings nur ein Impfschutz von anfänglich rund 50 Prozent erreicht, der dann nach Monaten weiter absinkt. Die WHO hat dagegen als Ziel ausgegeben, bis 2025 einen Impfschutz von mindestens 80 Prozent zu entwickeln.

Seit der ersten Beobachtung, dass bestrahlte Sporozoiten in Mücken als Basis einer Impfung herhalten könnten, bis zum nun erfolgreichen Zwischentest sind Jahrzehnte vergangen. Dies liegt vor allem daran, dass abgeschwächte Sporozoiten als Impfstoff schwer zu handhaben, unter aseptischen Bedingungen aufzureinigen und dauerhaft eingefroren zu lagern sind. Als kompliziert erwies sich auch, die Parasiten einerseits so abzuschwächen, dass sie nicht mehr infektiös waren, zugleich andererseits aber lebendig genug zu erhalten, um mit ihnen das Immunsystem ausreichend anzukurbeln. Zudem waren zunächst Versuche gescheitert, sie als Impfstoff subdermal zu spritzen. Sie müssen stattdessen intravenös direkt in den Blutkreislauf injiziert werden, um zu wirken. Dieses Verfahren dürfte in der Praxis zwar sehr aufwändig sein, wie die Forscher zu bedenken geben. Dennoch biete der Impfstoff aus abgeschwächten Sporozoiten womöglich größtes Potenzial als Vakzin der Zukunft.

© Spektrum.de
Malariaimpfung

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