In einem Artikel in der "New York Times" berichtet die Schauspielerin Angelina Jolie, warum sie sich nach einem positiven Gentest das Brustgewebe entfernen ließ. Bei ihr wurde eine vererbte Mutation des Tumorsuppressors BRCA1 festgestellt, die das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, deutlich erhöht. Der Artikel löste eine heftige Debatte über den Sinn und Unsinn genetischer Tests aus. Doch wie entsteht aus solch einer Mutation eigentlich erblicher Brustkrebs?

BRCA1 und BRCA2 (BReast CAncer 1 und 2) wurden Anfang der 1990er Jahre entdeckt und gehören zu den ersten identifizierten Genen, die mit erhöhter Krebswahrscheinlichkeit in Verbindung gebracht wurden. Sie bestehen aus 8500 Bausteinen, sind damit relativ umfangreich und liegen auf Chromosom 17 beziehungsweise 13. Die von ihnen kodierten Enzyme reparieren in der Zelle die gelegentlich auftretenden DNA-Doppelstrangbrüche. Dieser Prozess ist wichtig für die korrekte Vervielfältigung des Erbguts. Sind diese Enzyme beschädigt, funktionieren Wachstum und Teilung der Zelle nicht mehr richtig – teilen sich die Zellen daraufhin zu schnell, kann schließlich Krebs entstehen. Bestimmte Mutationen der BRCA-Gene erhöhen deshalb das Risiko, im Lauf des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, von 5 auf bis zu 80 Prozent.

Eine vererbte Mutation führt aber nicht automatisch zur Tumorentstehung. Der doppelte Chromosomensatz eines Menschen setzt sich je zur Hälfte aus dem Erbgut der Mutter und dem des Vaters zusammen. Wird also mit den Keimzellen eine schädliche Mutation weitergegeben, bleibt noch eine intakte Kopie übrig. Erst wenn auch diese ausfällt, zum Beispiel durch eine genetische Veränderung im Brustgewebe, entartet die Zelle. Außerdem spielen wohl noch andere Proteine bei dem Prozess eine Rolle, denn BRCA-Mutationen allein lassen in Mäusen keine Tumoren wachsen.

Mammakarzinom
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Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen.

In Deutschland ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 60 000 erkranken laut Deutschem Ärzteblatt jedes Jahr. Schätzungsweise fünf bis zehn Prozent dieser Fälle entstehen durch eine vererbte Mutation in einem der bekannten Brustkrebsgene. Wenn in der Familie bereits ein Fall aufgetreten ist, kann ein Gentest oft zeigen, ob auch bei anderen Familienmitgliedern ein erhöhtes Risiko besteht. Der genetische Vergleich zeigt, ob die Erkrankung der Patientin mit einer BRCA-Mutation zusammenfällt und ob diese an eine Tochter weitervererbt wurde. Doch Brustkrebs kann viele Ursachen haben, und genauso wenig wie eine einzelne Mutation zwingend zu Krebs führt, schließt ein negatives Ergebnis aus, dass andere Gene verändert sind. Der Test liefert also kein unabänderliches Urteil, weshalb viele Experten vor übereilten Schlussfolgerungen auf der Basis solcher Testergebnisse warnen.

Jolie hat sich trotzdem für die radikale Variante entschieden: Eine prophylaktische Mastektomie, die vorsorgliche Entfernung von Brust oder Brustgewebe vor einer eventuellen Erkrankung, senkt das Risiko bei Frauen mit schädlicher BRCA1-Mutation um 90 Prozent. Nach der Operation entwickeln sich bei ihnen nur noch halb so oft Tumoren wie bei einer Frau ohne den Gendefekt. Doch Untersuchungsergebnisse zeigen auch, dass der so genannte Überlebensvorteil nur wenig größer ist, als wenn die Patientin regelmäßig zum Mammografie-Screening geht [1]. Diese Vorsorgemaßnahme wird in Deutschland seit zehn Jahren flächendeckend durchgeführt. Dank dieser Früherkennung liegt die Überlebensrate hier zu Lande in den ersten fünf Jahren nach einer Brustkrebsdiagnose bei 83 bis 87 Prozent.