Nancy Brennan und Susan Willson sind Katzenfreunde – und mögen Vögel. Deshalb registrierten beide es traurig, wenn ihre Katzen von einem Streifzug durch die Natur gefiederte Beute mit nach Hause brachten. Beide wussten, dass sie ihre Haustiere nach einem Leben als Freigänger nicht mehr zu reinen Hauskatzen umerziehen konnten, und suchten Abhilfe. Die häufig empfohlenen Halsbändchen mit Glöckchen, deren Geklingel potenzielle Beute warnen sollte, erwiesen sich als untauglich, weshalb die im Naturschutz erfahrene Brennan sich eine Alternative ausdachte: Da Vögel vor allem auf optische Signale und Farben reagieren, testete sie 2008 eine bunte und breitere Stoffhalskrause, die die Katzen nicht stört (siehe Video) – mit absolutem Erfolg, denn in der Folge brachte ihr zuvor sehr aktiver Jäger keinen einzigen toten Vogel mehr mit. Davon ermutigt, entwickelte sie eine Geschäftsidee und produzierte die Halsbänder unter der Bezeichnung Birdsbesafe in Serie.

Darauf stieß die Biologin Willson einige Jahre später, als sie nach Möglichkeiten suchte, ihrem Kater den Jagderfolg abzutrainieren. Birdsbesafe wirkte bei ihrem Tier ebenfalls, denn Vögel brachte es fortan nicht mehr mit, sondern nur noch Mäuse. Ein wissenschaftlicher Beleg für die Wirksamkeit der Bänder war dies allerdings noch nicht, weshalb die Forscherin an der St. Lawrence University mit Zustimmung von Nancy Brennan eine erste Studie aufsetzte, die mittlerweile in "Global Ecology and Conservation" erschienen ist. Sie belegt eindrucksvoll, wie wirksam Birdsbesafe sein kann: Willson und ihre Kollegen statteten eine Gruppe von Katzen mit den Halstüchern aus und verglichen deren Jagdresultate mit denen einer zweiten Gruppe, die unbeeinflusst Vögel fangen konnte. Alle zwei Wochen wechselten die Forscher die Halstücher von der einen auf die andere Gruppe, um verfälschte Ergebnisse durch individuelles Jagdgeschick zu verringern. Während der herbstlichen Testphase brachten die "betuchten" Katzen 3,4&-mal weniger tote Vögel zu ihren Besitzern. Und im Frühling war der Rückgang sogar noch dramatischer, denn nun bewirkte Birdsbesafe, dass die damit ausgestatteten Katzen 19-mal weniger Opfer produzierten.

Nahezu zeitgleich untersuchten auch Catherine M. Hall von der Murdoch University in Westaustralien und ihr Team, was die Halstücher in Australien bewirken könnten. Dort gehören verwilderte Katzen zu den größten Bedrohungen der heimischen Fauna und werden rigoros von den Behörden bekämpft. Es standen nicht nur Vögel im Fokus, da auch Beuteltiere und Reptilien durch die Jäger bedroht werden. Das Resultat fiel etwas schlechter aus als in den USA, dennoch reduzierte sich die Zahl der gefiederten und geschuppten Opfer immerhin um rund die Hälfte, wenn die Katzen das Halstuch trugen – wobei Rot und Regenbogenfarben am besten wirkten. Von den befragten Katzenhaltern gaben 80 Prozent an, dass sich ihre Tiere rasch daran gewöhnt und keinerlei Probleme mit ihrem neuen Halsschmuck hatten – die Mehrheit wollte das Tuch deshalb auch nach der Testphase weiterverwenden.

Die Studie zeigte jedoch ebenfalls, dass Säugetiere davon nicht profitieren. Das ist in Australien problematischer als in den USA, weil viele Beuteltierarten durch exotische Raubtiere gefährdet sind. Säuger orientieren sich weniger visuell, reagieren also nicht auf die bunten Signale. Stattdessen verlassen sie sich eher auf ihren Geruchssinn oder das Gehör, weshalb Birdsbesafe bei ihnen versagt. Damit werden also noch nicht alle ökologischen Probleme durch frei umherstreifende Katzen gelöst. Ein Teil der heimischen Artenvielfalt wird dadurch allerdings stärker geschützt – und das ist schon einmal ein Anfang.