Dass Cannabis mit psychischen Problemen in Verbindung steht, ist seit geraumer Zeit bekannt, bisher war jedoch umstritten, was dabei Ursache und was Wirkung ist. Jetzt hat ein Forscherteam um Daniel Freeman von der University of Oxford festgestellt: Der Cannabis-Wirkstoff THC verursacht im Experiment paranoide Gedanken. Die Wissenschaftler verabreichten 121 Freiwilligen entweder den Cannabis-Wirkstoff oder ein Placebo. Im Anschluss befragten sie die Probanden nach Symptomen von Paranoia. Während von der Placebogruppe nur 30 Prozent über paranoide Gedanken berichteten, war es bei der Versuchsgruppe die Hälfte.

Paranoide Gedanken als solche sind nicht ungewöhnlich – etwa die Hälfte der Bevölkerung hat gelegentlich welche. Die Forscher um Freeman wollten nun herausfinden, ob Marihuana die Häufigkeit solcher Phasen verändert und injizierten ihren Probanden 1,5 Milligramm THC intravenös oder als Placebo eine Salzlösung. Interessanterweise fühlten sich alle Probanden, auch die der Placebogruppe, anschließend berauscht – deutliche Unterschiede zeigten sich allerdings bei den unerwünschten Folgen. Neben den paranoiden Gedanken zeigte sich bei der THC-Gruppe gesteigerte Ängstlichkeit, geringeres Selbstwertgefühl und ein schlechteres Kurzzeitgedächtnis, berichten die Mediziner. Freeman und Kollegen vermuten, dass es einen Zusammenhang gibt: Das Gehirn erlebt den Rausch als bedrohliche Verzerrung der Realität und reagiert mit Misstrauen.