Die NASA-Sonde Cassini umrundet den Saturn seit dem Jahr 2004 und erforscht dabei den Gasplaneten, seine Ringe und viele seiner insgesamt 62 derzeit bekannten Monde. Zuletzt hat Cassini den Ringplaneten in einer Verlängerung namens "Solstice-Mission" umrundet. Dazu kreiste die Sonde nahe der Äquatorebene des Planeten, in der sich die meisten Monde und das Ringsystem befinden. Am 22. Mai 2012 wird sie mit einem ersten engen Vorbeiflug am größten Saturnmond Titan den Aufstieg in stärker geneigte Bahnen beginnen. Auf dem Weg zum Titan nahmen die Wissenschaftler unter anderem den eiförmigen, winzigen Mond Methone ins Visier.

Ei im All
© NASA, JPL / Caltech / SSI
(Ausschnitt)
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Mit der gesammelten Erfahrung der vergangenen acht Jahre sollte es ein Leichtes für die Wissenschaftler und Ingenieure sein, das schwierige Manöver bei Titan durchzuführen. Die Sonde kann mit ihren Triebwerken zwar kleine Kurskorrekturen durchführen, aber nicht die Neigung ihrer Bahn um große Beträge ändern. So ist sie auf eine Reihe von Titanvorbeiflügen angewiesen; der größte Saturnmond wird Cassini dabei mit seiner Schwerkraft auf den richtigen Kurs bringen. Die engste Annäherung während des Vorbeiflugs am 22. Mai von nur 955 Kilometern muss sehr exakt durchlaufen werden, damit sich auch die weiteren Titanpassagen ohne zusätzlichen Treibstoffverbrauch erfolgreich absolvieren lassen. Nach dem ersten Vorbeiflug wird Cassinis Bahn rund 16 Grad gegen die Äquatorebene geneigt sein. Am Ende der Schleudertour im Jahr 2013 soll die Neigung von Cassinis Bahn sogar rund 62 Grad betragen.

Bereits 2008 ließen die Missionswissenschaftler die Sonde auf einer ähnlich stark verkippten Bahn fliegen. Ab 2013 wird Cassini erneut aus der Vogelperspektive auf das Ringsystem und die Pole des Saturn blicken, die dann im Mittelpunkt des Interesses stehen werden. Dabei untersuchten die Astronomen dabei unter anderem eine mysteriöse Entdeckung der Voyager-Raumsonden aus den 1980er Jahren; sie warfen den bisher schärfsten Blick auf den sechseckigen Wolkenwirbel an Saturns Nordpol. Die intensive Beobachtung der Monde wird 2015 wieder aufgenommen, wenn Cassini in eine äquatoriale Bahn zurückkehrt. Die Mission befindet sich bereits in ihrer zweiten Verlängerungsphase, die bis 2017 andauern wird.

Die Oberfläche von Tethys
© NASA, JPL / Caltech / SSI
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Auf dem Weg zum Titan nutzten die Wissenschaftler die Gelegenheit, zwei der kleineren Saturnmonde genauer unter die Lupe zu nehmen. Cassini fotografierte die bereits vorher untersuchte Tethys mit einem Durchmesser von rund 1100 Kilometern aus 54 000 Kilometer Entfernung und lieferte einige neue Bilder. Seit langem ist bekannt, dass Tethys offenbar fast vollständig aus Wassereis besteht. Sie weist auf ihrer Oberfläche eine Vielzahl kleiner Einschlagkrater und einige größere Täler auf, die sich auf den neuen Aufnahmen erkennen lassen. Tethys reflektiert einen Großteil des einfallenden Lichts zurück ins All, da ihre Oberfläche von einer feinen Schicht heller Eispartikel aus dem E-Ring bedeckt ist.

Das zweite Ziel der Sonde war der mit drei Kilometer Durchmesser winzige Mond Methone, den Cassini in den Jahren von 2004 bis 2007 zusammen mit zwei weiteren zwischen den Bahnen der größeren Monde Mimas und Enceladus entdeckte. Die drei winzigen Monde umlaufen den Saturn innerhalb des E-Rings, der aus den Eispartikeln besteht, die Enceladus mit seinen Eisvulkanen in den Weltraum schleudert. So zeigt das nun gewonnene Bild der Methone eine vergleichsweise glatte Oberfläche, die offenbar von den feinen Partikeln aus Wassereis und organischen Bestandteilen bedeckt ist. Die Aufnahme wurde aus einer Entfernung von nur 1900 Kilometer gewonnen und ist das bisher schärfste Bild des winzigen Mondes. Die vorherigen Aufnahmen waren aus Distanzen von mehr als 225 000 Kilometern aufgenommen worden; auf ihnen ließ sich die Form des Monds gerade einmal erahnen.