Noch bevor die Aktivitäten der Mission Chang'e-3 beendet sind, die im Dezember 2013 weich auf dem Erdtrabanten landete und dabei den Rover Yutu absetzte, unternimmt die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA ihren nächsten Mondflug. Ab dem 23. Oktober 2014 öffnet sich ein viertägiges Startfenster zum Erdtrabanten, in dem China die Mission Chang'e-5 T1 starten wird. Das Ziel dieses Mondflugs ist es, eine Rückkehrkapsel zu testen, die bei einer späteren Mission im Jahr 2017 Gesteinsproben vom Mond zur Erde transportieren soll. Chang'e-5 T1 besteht aus zwei Hauptelementen, einem Servicemodul, das für die Flugkontrolle und Kommunikation zur Erde verantwortlich ist, und der eigentlichen Rückkehrkapsel. Beim Servicemodul griffen die chinesischen Techniker auf die bewährte Technik des Mondorbiters Chang'e-2 zurück, die Rückkehrkapsel ist eine stark verkleinerte Version des Shenzhou-Raumschiffs. Ihr aerodynamisches Verhalten ist wohlbekannt, so dass die CNSA darauf hofft, das technische Risiko der Testmission möglichst niedrig halten zu können

Chinesische Mondsonde Chang'e-5 (künstlerische Darstellung)
© China National Space Administration (CNSA)
(Ausschnitt)
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Hier ist das Konzept der chinesischen Mondsonde Chang'e-5 zu sehen, die im Jahr 2017 Gesteinsproben vom Mond zur Erde befördern soll. Dieses Bild der Rückkehrstufe erinnert an die sowjetischen Luna-Mondsonden, mit denen es der ehemaligen Sowjetunion in den 1970er Jahren gelang, mit unbemannten Sonden Gesteinsmaterial auf der Mondoberfläche zu sammeln und zur Erde zu transportieren.

Leider ist der Flug von Chang'e-5 T1 in der letzten Zeit sehr von Geheimniskrämerei umgeben, die an das paranoide Verhalten der ehemaligen Sowjetunion in den 1970er und 1980er Jahren erinnert. Warum in China diese Mission neuerdings fast schon wie ein Staatsgeheimnis behandelt wird, ist nicht klar. Allerdings wurden im Vorfeld doch Einzelheiten bekannt. Die Mission soll rund acht Tage dauern, dabei fliegt die Sonde auf einer Bahn, ähnlich wie diejenige der bemannten Apollomondflüge in den 1960er und 1970er Jahren. Die Form der Bahn gleicht einer verzerrten Acht, das heißt, die Sonde fliegt in etwas mehr als drei Tagen zum Mond, umrundet ihn einmal und benötigt wieder rund drei Tage zur Erde. Sie schwenkt nicht in einen Mondorbit ein, sondern bewegt sich auf einer Bahn mit einer so genannten "freien Rückkehr". Dies bedeutet, dass keine Schubmanöver notwendig sind, um nach der Mondpassage wieder zurück zur Erde zu gelangen.

Der Flug von Chang'e-5 T1 erinnert an die unbemannten Flüge der sowjetischen Zond-Sonden in den 1960er Jahren. Damals erprobte die Sowjetunion viermal heimlich modifizierte Sojus-Raumschiffe für eine eventuelle bemannte Mondumrundung mit russischen Kosmonauten an Bord. Diese Pläne wurden aber durch die bemannte Mondumrundung der US-amerikanischen Mission Apollo 8 im Jahr 1968 zunichtegemacht. Die Ähnlichkeit der Rückkehrkapsel mit den Shenzhou-Raumkapseln facht jedoch Spekulationen wieder an, dass China hiermit auch Techniken für einen bemannten Flug zum Mond testen möchte.

Aber nicht alles am Flug von Chang'e-5 T1 ist von Geheimnissen umgeben, denn es gibt eine kleine westliche Beteiligung an dieser Mission: An Bord der Oberstufe der chinesischen Trägerrakete, welche Chang'e-5 T1 endgültig zum Erdtrabanten befördert, ist das deutsche Experiment 4M angebracht. 4M steht für "Manfred Memorial Moon Mission" in Gedenken an den verstorbenen Firmengründer Manfred Fuchs, der in den 1950er Jahren in Bremen die Firma OHB gründete. Sie hat sich mittlerweile zu einer der größten Raumfahrtfirmen in Europa entwickelt. Manfred Fuchs hatte vor seinem Tod 4M aus seinem privaten Vermögen als Geschenk an die Funkamateure weltweit finanziert. Sie sollen die Funksignale von 4M vom Erdboden aus verfolgen und aufzeichnen.