Zu den gefürchteten Durchfallerkrankungen in südlichen Ländern gehört die Cholera, die über verschmutztes Trinkwasser oder kontaminierte Lebensmittel verbreitet wird. Sie wird von Bakterien übertragen, wobei nicht die Keime selbst das eigentlich Problem sind, sondern die Toxine, die die Erreger freisetzen: Sie greifen die Darmzellen an und zerstören sie, was den Durchfall auslöst. Bruce Turnbull von der University of Leeds und seine Kollegen stellen nun einen neuen Ansatz vor, mit dem man die Cholera gezielt und mit ihren eigenen Waffen schlagen kann: Er basiert auf dem selbst erzeugten Gift der Choleramikroben und verhindert, dass das eigentlich schädliche Molekül an den Darmzellen andocken kann.

Das Choleratoxin, ein Protein, besteht aus insgesamt sechs Untereinheiten, von den fünf nicht giftig sind. Genau diese fünf binden an spezielle Kohlehydrate auf der Oberfläche der Darmzellen und ermöglichen es so der sechsten Untereinheit ihre fatale Wirkung zu entfalten. Die Forscher lösten daher eine Mutation in den Bindestellen der fünf Liganden aus, damit der neu geschaffene Inhibitor nicht selbst an die Darmzellen bindet. Zudem veränderten sie eine bestimmte Molekülstruktur dieser Untereinheiten, so dass sie sich mit dem normalen Choleratoxin verknüpfen können. Das Gegenmittel ist damit das perfekte Gegenstück zum Toxin, das sich bevorzugt daran anlagert. Entsprechend hoch sei seine Wirksamkeit, so die Wissenschaftler. Während der letzte Schritt in der Synthese des Inhibitors relativ schwierig ist, fällt die großtechnische Herstellung des Proteingrundgerüsts relativ leicht. Insgesamt biete die Methode daher wohl bald einen relativ günstigen wie effektiven Ansatz in der Cholerabekämpfung.