Im Jemen sind in diesem Jahr fast 2000 Menschen an der Cholera gestorben, hinzu kommen vermutlich rund eine halbe Million Infizierte. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation in einer aktuellen Mitteilung. Im Jemen tobt seit 2015 ein Bürgerkrieg, was die hygienischen Bedingungen massiv verschlechtert hat. Daneben kommt es immer wieder zu Engpässen bei der Wasserversorgung – Millionen von Menschen haben keinen Zugang zu frischem Trinkwasser.

Beides begünstigt die Ausbreitung der Cholera. Der Gallenbrechdurchfall geht auf das Bakterium Vibrio cholerae zurück, das sich über schmutziges Wasser und verunreinigte Nahrung ausbreitet. Die Krankheit lässt sich an und für sich gut durch eine frühe Gabe von Antibiotika behandeln. Im Jemen sind Medikamente allerdings knapp und das Gesundheitssystem am Zusammenbrechen. 30 000 Mitarbeiter von Kliniken und Praxen hätten dieses Jahr noch keinen Lohn gesehen, so die WHO. Insgesamt fehle 15 der 25 Millionen Einwohner des Landes derzeit der Zugang zur medizinischen Grundversorgung.

In den vergangenen Jahrzehnten kam es in Krisenregionen immer wieder zu Ausbrüchen der Cholera, etwa nach dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010. Seitdem sind dort zirka 10 000 Menschen an der Krankheit gestorben, berichtet die "New York Times". Derzeit ist offen, wie sich die Epidemie noch weiterentwickeln wird. Seit Anfang Juli sei die Gesamtzahl der Verdachtsfälle zwar zurückgegangen, berichtet die WHO. In einigen, erst seit Kurzem betroffenen Regionen breite sich die Krankheit aber nach wie vor rapide aus.