Ein Komitee von Medizinern hat am US-amerikanischen Institute of Medicine einen umfangreichen Bericht zum Chronischen Erschöpfungssyndrom erarbeitet. Darin schlagen sie neben verbesserten und vereinheitlichten Diagnosekriterien auch einen neuen Namen vor. Die Erkrankung soll künftig als "systemic exertion intolerance disease" oder kurz SEID bezeichnet werden.

Auf Deutsch lässt sich der Ausdruck mit "systemische Anstrengungsunverträglichkeit" wiedergeben. Damit sei eines der Kernkennzeichen des Syndroms beschrieben: Betroffene seien nicht in der Lage, Belastungen welcher Form auch immer – also sowohl geistige als auch körperliche Anstrengungen – auszuhalten, erläutert die Vorsitzende des Komitees Ellen Wright Clayton von der Vanderbilt University. Der neue Name spiegele das wider: Man wolle die Krankheit "als das bezeichnen, was sie ist".

Aus der "SEID" resultieren typische Symptome wie verminderte Arbeitsfähigkeit, Beschwerden nach körperlicher Belastung und mangelnde Erholung im Schlaf. Der Zusatz "systemisch" weist darauf hin, dass die Krankheit den Körper als Ganzes betrifft. Was sie auslöst, ist immer noch ungeklärt.

Alter Name "trivialisiert" und "stigmatisiert"

Den alten Namen empfinden die Verfasser des Berichts als ungeeignet: Er spiele die Krankheit herunter und stigmatisiere die Betroffenen, zitiert das Magazin "Science" aus der 235 Seiten langen Veröffentlichung. Patienten würden zu hören bekommen, jeder sei eben irgendwann einmal "erschöpft". Mitunter hätten dadurch sogar Ärzte Hemmungen, das Syndrom zu diagnostizieren. Die Alternativbezeichnung "myalgische Enzephalomyelitis" habe diese Probleme zwar nicht, gebe die Symptome aber nur ungenau wieder.

Sowohl in der Öffentlichkeit als auch in Forschung und Praxis herrschen Unsicherheiten, ob hinter dem Erschöpfungssyndrom tatsächlich eine einheitliche Krankheit steckt. Das wollen die Verfasser nun auch ändern, indem sie rund 20 konkurrierenden Kriterienkataloge zur Diagnose durch einen einzigen, standardisierten Katalog ersetzen. Das 15-köpfige Komitee hatte dazu rund 9000 wissenschaftliche Studien durchgearbeitet, mit Experten Interviews geführt und die öffentliche Meinung eingeholt. Auch etwa 100 Namensvorschläge standen zur Debatte, die den Mitgliedern laut "Science" offenbar extrem schwer gefallen ist. Das Resultat sei "nicht perfekt", räumt etwa der Genetiker Ronald Davis von der Stanford University ein, der an den Beratungen teilnahm.

Das Institute of Medicine ist die medizinische Abteilung der amerikanischen Akademie der Wissenschaften und berät Politik und Öffentlichkeit. In fünf Jahren soll ein neues interdisziplinäres Komitee zusammentreten und überprüfen, ob sich die Lage gebessert hat. Auch die Namensgebung könnte dann erneut auf der Tagesordnung stehen.