Tübinger Forscher haben den Computer darauf programmiert, aus jedem beliebigen Bild ein Gemälde im Stil einer Malerei zu kreieren. Mit teils spektakulären Ergebnissen: Selbst auf den zweiten Blick ist oft nicht zu erkennen, dass hier ein Computer am Werk war. Wer sich davon überzeugen will, kann auf ihrer Website deepart.io ein eigenes Bild sowie ein frei wählbares Gemälde hochladen und bekommt kostenfrei eine Fusion aus beidem zurück – wie etwa dieses Porträt Albert Einsteins im Stile Vincent van Goghs.

Möglich machen das die so genannten Deep-Learning-Netzwerke, die die Gruppe um Matthias Bethge einsetzt. Dieses Verfahren leistet derzeit Erstaunliches im Bereich der Bildverarbeitung. Dank solcher Netze können Computer auf Fotos Gegenstände erkennen oder Personen identifizieren. Auch hinter der Software AlphaGo, die zuletzt einen fulminanten Sieg gegen den Go-Meister Lee Sedol einfuhr, stecken diese "tiefen" Netze.

Der "James-Bond-Felsen" in Thailand
© Deepart.io
(Ausschnitt)
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Ein Foto der markanten Felsformation im zarten Tüpfelstil der französischen Impressionisten.

Bethge und Team verleihen ihnen nun einen eher künstlerischen Zweitnutzen. Wie genau, haben sie bereits in einer Studie ausführlich besprochen. Sie kombinieren in ihrem Ansatz ein bewährtes Verfahren, mit dem der Computer den Inhalt eines Bilds zu erkennen lernt, mit einer neu entwickelten Methode, die es ihnen erlaubt, den Stil eines Gemäldes zu erfassen. Für jeden Aufgabenbereich setzten sie ein Netzwerk ein. Während das für den Inhalt verantwortliche Netz nur die Bildpixel analysiert, stützt sich das für den Stil verantwortliche zudem auf die Resultate des Inhaltsnetzes.

Darum erkennt der Computer nicht bloß, welche Farben im Gemälde vertreten sind oder ob der Maler dicke oder dünne Pinselstriche machte, sondern auch, wie der Künstler diese Gestaltungselemente einsetzte. Dadurch kann der DeepArt-Algorithmus den jeweiligen Malstil passend zum Bildinhalt auf "intelligente" Weise imitieren – also etwa Vorder- und Hintergrund voneinander trennen oder die Konturen eines Gesichts nachzeichnen. Das macht die Resultate so täuschend echt.

Wie ihr System den Inhalt von der Gestaltung trennt, könnte auch dabei helfen, ähnliche Prozesse im menschlichen Gehirn besser zu verstehen, schreiben die Forscher in ihrer Publikation. Doch zunächst setzen sie das Verfahren ganz pragmatisch ein: Wer sein computergemaltes Bild in Hochauflösung besitzen möchte, muss es auf der Website käuflich erwerben. Zudem macht den Forschern offenbar der schon jetzt große Andrang zu schaffen. Für die kostenlose Umwandlung existiert bereits eine mehrtägige Warteschlange – und die entsprechende kostenpflichtige Abkürzung.