Ärzte des Bostoner Children's Hospital haben ein Computerspiel entwickelt, das insbesondere jugendlichen Patienten dabei helfen soll, überschießende Emotionen in den Griff zu bekommen. Die Idee dahinter ist, die Pulsrate des Spielers in das Geschehen mit einfließen zu lassen, erläutern die Forscher. Steigt sie an, verliert der Spieler zusehends die Kontrolle über seine Figur und wird um ein gutes Resultat gebracht.

Bei zu hoher Herzfrequenz sinkt die Feuerrate
© Jason Kahn
(Ausschnitt)
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Das Schiff am unteren Bildrand wird gerade von einem Spieler gesteuert, dessen Pulsschlag einen Schwellenwert überschritten hat – die Folge: Er kann keine "Aliens" abschießen und verliert Punkte.
Auf diese Weise werde ein Anreiz geschaffen, zuvor erarbeitete Entspannungstechniken auch praktisch einzusetzen, hofft das Team um die Studienleiter Joseph Gonzalez, Jason Kahn und Peter Ducharme. Ein Zusatznutzen könnte darin bestehen, dass sich der Spaß am Spiel auch auf die Therapiesitzungen überträgt und so eine gemeinsame Basis zwischen Patient und Therapeut geschaffen wird.

Als Zielgruppe sehen die Wissenschaftler vor allem Jugendliche, die auf alltäglichen Stress mit Aggression, Wutausbrüchen, Hyperaktivität oder anderen unangemessenen Verhaltensweisen reagieren. Gerade diesem Patientenkreis falle es oft schwer, eine Therapie bis zum Ende durchzuhalten, beziehungsweise Ruhe zum Einüben von Entspannungstechniken zu finden.

In seinem Design orientiert sich das vergleichsweise simpel gehaltene Geschicklichkeitsspiel an dem Klassiker "Space Invaders". Vom oberen Bildschirmrand stürzen außerirdische Raumschiffe herab, der Spieler lenkt sein eigenes Schiff am unteren Bildrand hin und her und schießt die Angreifer ab. Als zusätzliche Schwierigkeit befinden sich zwischen den feindlichen Schiffen immer wieder eigene, die der Spieler keinesfalls treffen darf. Steigt der Puls, sinkt die Rate, mit der das Raumschiff Schüsse abgeben kann.

Protokoll zweier Durchgänge
© Jason Kahn
(Ausschnitt)
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Mit dem "RAGE" (Regulate and Gain Emotional Control) getauften Computerspiel sammelt die Arbeitsgruppe nach eigenen Angaben bereits erste Erfahrungen, klinische Tests stehen allerdings noch aus. In nächster Zukunft wollen die Wissenschaftler das Programm obendrein um eine "Multiplayer-Option" erweitern, bei der mehrere Spieler gemeinsam antreten können. So sollen auch soziale Kompetenzen eingeübt werden können. (jd)