Das menschliche Gehirn behandelt negative Informationen über bestimmte Gruppen bevorzugt, während es positive Aussagen weit weniger bereitwillig entgegennimmt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Professor Robin Murphy von der University of Oxford anhand einer Untersuchung mit 22 Versuchspersonen. Die Probandinnen und Probanden bekamen eine Serie von Aussagen, die positives und negatives Verhalten einzelner Mitglieder erfundener sozialer Gruppen beschrieben. Die Versuchspersonen wussten nicht, dass die Gruppen zuvor in "gut" und "schlecht" unterteilt waren: Bei der "guten" enthielten zwei Drittel der Aussagen Informationen über positives Verhalten, bei der "schlechten" war die Verteilung umgekehrt. Dabei zeigte sich nach einer Weile, dass eine Hirnregion am Vorderende des Temporallappens durch ihre Aktivität den Anstieg positiver und negativer Stereotypen mit, so die Forscher, "mathematischer Präzision" abbildet.

Allerdings nur für eine Weile. Bei der guten Gruppe flaute die Hirnaktivität bei weiteren Informationen bald ab. Ganz anders bei der negativ besetzten Gruppe: Dort sammelte die Hirnregion nicht nur fleißig weiter zusätzliche negative Informationen, sondern delegierte die Verarbeitung positiver Aussagen über diese Gruppe an den präfrontalen Kortex. Dieser Teil des Gehirns bewertet Situationen, insbesondere solche, die von der Norm abweichen, und ist am planvollen Handeln beteiligt. Das deutet nach Ansicht des Teams nicht nur darauf hin, dass negative Vorurteile vom Hirn bevorzugt verarbeitet werden, sondern dass sogar Informationen, die den Stereotypen widersprechen, als verdächtige Anomalie bewertet werden – statt dem Vorurteil entgegenzuwirken.