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Sozialgeografie

Das globale Sparschwein

Die Welt ist reich, unglaublich reich. Angesichts eines immens großen Privatvermögens müssten wir eigentlich alle im Geld schwimmen. Doch eine gleichmäßige Aufteilung ist und bleibt ein Wunschtraum.
Geldbewegung
Wer hat wo wie viel im Sparschwein? Das World Institute for Development Economics Research der Vereinten Nationen in Helsinki gibt die Antwort in einer umfassenden Studie zur weltweiten Verteilung des Privatvermögens im Jahr 2000.

Privatvermögen im Jahr 2000
Privatvermögen im Jahr 2000 | Die Verteilung des globalen Privatvermögens an der Jahrtausendwende (in US-Dollar pro Kopf)
Allerdings: "Zuerst einmal ist es wichtig, das Wort 'Vermögen' klar zu definieren", sagen die Autoren und erklären weiter, dass sie damit das Reinvermögen, also alle Hauptkomponenten des Privatbesitzes wie Finanzanlagen, Landbesitz und Immobilien minus mögliche Schulden meinen. Dieses globale Privatvermögen, so schätzen die Ökonomen um James Davies von der Universität von West-Ontario, belief sich an der Jahrtausendwende auf 125 Billionen US-Dollar, was in etwa dem dreifachen globalen Bruttoinlandsprodukt oder 20 500 Dollar pro Person entspricht.

Jedoch ist der Reichtum extrem ungleich verteilt. Laut Davies und Co besitzen die reichsten zwei Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des globalen Privatvermögens, und die reichsten zehn Prozent verfügen gar über 85 Prozent des weltweit vorhandenen persönlichen Reichtums. Auf der anderen Seite kann die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung mit Mühe und Not ein Prozent des globalen Vermögens ihr Eigen nennen.

Verteilung der zehn Prozent reichsten Privatmänner der Welt
Verteilung der zehn Prozent reichsten Privatmänner der Welt | Die meisten Steinreichen kommen aus den USA und Japan; Deutschland folgt auf Platz drei.
Auch bei der geografischen Verteilung existiert ein Ungleichgewicht. So leben die reichen Menschen hauptsächlich in Nordamerika, Europa und ein paar Ländern des asiatisch-pazifischen Raums, etwa Japan und Australien. Die Bewohner dieser Staaten sitzen zusammen auf fast neunzig Prozent des weltweiten Vermögens. Zum Beispiel kommt ein Viertel der reichsten zehn Prozent der Weltbürger aus den USA und ein Fünftel aus Japan. Deutschland folgt mit gewissem Abstand auf Rang drei – bei uns leben aber immerhin noch fast ein Zehntel von den zehn Prozent der reichsten Privatmänner der Welt.

China beansprucht das mittlere Drittel in der globalen Vermögensverteilung, während Indien, Afrika und einkommensschwache asiatische Länder – zum Beispiel Indonesien und Laos – das untere Drittel dominieren.

Zusammensetzung des Privatvermögens in ausgewählten Ländern
Zusammensetzung des Privatvermögens in ausgewählten Ländern | Menschen aus weniger entwickelten Ländern bevorzugen Grund- und Immobilienanlagen vor Finanzanlagen.
Die Studie zeigt große internationale Unterschiede bei der Zusammensetzung von Privatvermögen. Sie hängen mit Einflüssen wie der Marktstruktur oder kulturellen Vorlieben zusammen. So ist Land- oder Immobilienbesitz besonders in geringer entwickelten Ländern wichtig, da die Menschen dort weniger Vertrauen in die lokalen Finanzinstitute setzen. In reichen Ländern des Westens dagegen scheinen die Menschen risikofreudiger zu sein – viele tendieren dort zum Beispiel stark zu Aktien.

Schulden sind laut der Studie in armen Nationen erstaunlicherweise ein relativ unwichtiger Punkt. Die Autoren schreiben: "Viele Menschen in armen Ländern sind zwar verschuldet, doch ihre Schulden sind in der Summe recht gering." Das liege vor allem an den dortigen Kreditinstituten, die keine großen Anleihen gewähren würden. Ganz anders in den reichen Ländern: Gerade in einkommensstarken Nationen seien viele Menschen hoch verschuldet und zählten deshalb paradoxerweise eigentlich zu den ärmsten Menschen der Welt.

Tatsächlich ist Armut in unseren Breiten keine Seltenheit. Zu diesem Schluss kommt auch die erstmals durchgeführte europaweite Statistik "Leben in Europa" zu Armut und sozialer Ausgrenzung. Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2004 in Deutschland 13 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Armutsrisiken seien vor allem Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsabschlüsse.
06.12.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 06.12.2006

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