Mit der Sahara im Südwesten, Syrien im Norden und der Arabischen Halbinsel im Südosten ist Israel von sandreichen Wüstengebieten umgeben. Aus allen drei Gebieten weht es Jahr für Jahr große Mengen Sand und – an Bord der Körnchen – viele Bakterien ins Land. Israelische Wissenschaftler sind darum der Frage nachgegangen, welche Mikroorganismen durch die Luft gewirbelt werden. "Im Prinzip haben wir das Mikrobiom des Staubs in der Luft untersucht", sagt der Leiter der Studie Yinon Rudich vom Weizmann Institute of Science in Rehovot.

Jeder Sandsturm lasse die Zahl der Bakterien in der Umgebungsluft stark ansteigen, erläutern die Forscher in ihrer Studie in "Environmental Science & Technology". Es empfehle sich also, den Sturm im Innern abzuwettern, und zwar nicht nur wegen des Sands, sondern auch wegen einer möglicherweise erhöhten Infektionsgefahr. Ob der Sand aus der Sahara oder einer der anderen Wüsten herbeigeweht worden war, erkannten die Forscher allein anhand der Zusammensetzung der einzelnen Bakterienarten. Das Sandmikrobiom spiegelt dabei die Verhältnisse am jeweiligen Ursprungsort wider.

Besonders konzentrierte sich das Team um Rudich auf Gene, mit denen sich Bakterien gegen Antibiotika schützen. Solche Resistenzgene verhindern immer häufiger den wirkungsvollen Einsatz der Medikamente. Da sie von einer Bakterienart auf die andere überspringen können, besteht die Gefahr, dass das Verteidigungsarsenal der einheimischen Bakterien durch das der zugewehten noch weiter vergrößert wird – zumal Resistenzgene vor allem bei Bodenbakterien sehr verbreitet sind. Hier geben Rudich und Kollegen allerdings Entwarnung. Zwar lassen sich regional untypische Resistenzgene im Wüstenstaub ausfindig machen, doch gegenüber der bereits vorhandenen, durch Tierhaltung und Antibiotikamissbrauch vorangetriebenen Resistenzausbreitung spielen die vom Winde verwehten Bakterien nur eine untergeordnete Rolle.