Die gefährlichste Tropenkrankheit der Welt, die Malaria, könnte rein theoretisch innerhalb von wenigen Monaten ausgerottet werden – wenn denn nur die Mittel dafür, Moskitonetze, perfekt organisiert und flächendeckend eingesetzt würden. So hätten die Parasiten im Blutsauger – nebenbei auch die Erreger von West-Nil- oder Gelbfieber und Co – dann keine Chance, ihren Lebenszyklus zu vollenden und sich zu vermehren. Dieses Szenario ist illusorisch; dennoch sind viele Tropenmediziner davon überzeugt, dass Forschungsgelder statt in die Suche nach neuen Wirkstoffen besser in Aufklärungskampagnen investiert werden sollten. Oder vielleicht in auf einfache Weise perfektionierte Netze?

Darauf hoffen nun gleich zwei Forscherteams unabhängig voneinander. Beide Gruppen untersuchten die Wirksamkeit von Netzen und den darauf aufgetragenen Insektiziden, die sich als zusätzlicher Schutz seit Langem bewähren. Allerdings werden viele Moskitos auch resistent gegen die Wirkstoffe: Um dies zu verhindern, sollte der Einsatz von Insektiziden möglichst nicht flächendeckend und hoch dosiert sein, sondern sehr gezielt geplant werden. Marit Farenhorst und ihre Kolleginnen testeten daher, wie die Wirkung der Insektizide beim Kontakt durch elektrostatische Effekte verstärkt werden könnte. Dafür trugen sie neben dem Wirkstoff zusätzlich einen elektrostatisch wirksamen Anstrich auf, der eigentlich entwickelt wurde, um die Luft von herumwirbelnden Pollen zu säubern. Dieser erhöhte die Wirksamkeit der Insektizide deutlich – er sorgt dafür, dass Staubpartikel mit Insektiziden stärker an den Mücken hängen bleiben.

So werden die Wirkstoffmoleküle viel effizienter auf Insekten übertragen, die mit dem Netz in Kontakt kommen. Gegen das Insektizid resistente Mückenstämme – rund 90 Prozent überleben den Kontakt mit dem Wirkstoff – starben fast alle an der elektrostatischen Variante, und dies sogar nach einem sehr kurzen Kontakt von gerade einmal fünf Sekunden, oder bei Netzen, die mit 15-fach verdünntem Insektizid imprägniert wurden. Dieser Kombinationseffekt von Elektrostatik und Gift trete zudem bei mehreren unterschiedlichen Insektizidklassen gleichermaßen auf, so die Forscherinnen.

Wie der Kontakt zwischen Netz und Mücke abläuft, lohnte auch für ein gemischtes Team von Biologen und Optikingenieuren einen genauen Blick: Sie filmten mit Infrarot-Hochleistungskameras den Anflug einzelner Anopheles-gambiae-Mücken auf so genannte insektizide Moskitonetze mit lang anhaltender Imprägnierung (long-lasting insecticidal bed nets, LLINs). Der Einsatz solcher Netze trug nach Angaben der WHO wesentlich dazu bei, dass sich die Todesrate durch Malaria in Afrika seit dem Jahr 2000 halbiert hat.

Die Filmaufnahmen zeigen zum Beispiel, dass ein durchschnittlich einminütiger Kontakt von Mücken und Netz wohl ausreicht, um einen Schwarm innerhalb einer halben Stunde lahmzulegen. Tatsächlich scheinen die Blutsauger die Netze im Dunkeln schon vor einer Kollision wahrzunehmen, wie einige gefilmte Abbremsmanöver nahelegen. Das liegt offenbar nicht an den aufgetragenen Insektiziden: Auch vor unbehandelten Netzen drehen viele Mücken erst einmal ab. Die Aufnahmen zeigten ebenso, worauf Designer von Netzen besonders achten sollten: 75 Prozent aller Kontakte von Mücke und Netz ereignen sich im Dachbereich über dem Schlafenden. Die Forscher werden ihre Gerätschaften nun in einer Versuchsstation in Tansania installieren, um das Verhalten der Mücken unter möglichst realistischen Umständen weiterzuprüfen.