Wir müssen nur den inneren Schweinehund überwinden – das reden wir uns oft ein, wenn es darum geht, sich für sportliche Anstrengungen zu motivieren. Dabei ist unser Körper quasi automatisch bestrebt, uns möglichst energieeffizient zu bewegen, wie ein Experiment von Max Donelan von der Simon Fraser University und seinem Team zeigt. Sie hatten neun Freiwillige gebeten, ein robotisches Exoskelett an den Beinen zu tragen, das ihren normalen Bewegungsablauf behinderte: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten ihre Beine nicht mehr wie gewohnt schwingen, weil das Exoskelett wie ein Stützapparat das Knie stabilisierte. Gleichzeitig konnten Donelan und Co messen, welchen Widerstand der Körper aufbringen musste, um normal laufen zu können – ein Indikator für den nötigen Energieaufwand.

Wie zu erwarten mussten sich die Teilnehmer anfangs vermehrt anstrengen, um vorwärtszukommen. Die Forscher überraschte jedoch, wie schnell sich das änderte: Innerhalb weniger Minuten hatten sich die Probanden darauf eingestellt – und ihren Gang so angepasst, dass sie wieder optimiert liefen. Das galt sogar, wenn sie dadurch nur geringe Energieeinsparungen bewirkten. In manchen Fällen verringerte sich ihr Kraftaufwand gerade einmal um fünf Prozent von der behinderten Bewegung mit dem Exoskelett hin zur effizienteren Beinarbeit mit der Stütze. Für die Wissenschaftler ein eindeutiger Hinweis auf automatische Prozesse. "Wir sind nicht bewusst 'faul'. Unser unterbewusstes Nervensystem sorgt dafür, dass wir möglichst sparsam unterwegs sind", so Donelan. Aus evolutionärer Sicht ist diese unterbewusste Steuerung nachvollziehbar, da unsere Vorfahren nicht im Übermaß lebten und daher möglichst schonend mit ihren Ressourcen umgehen mussten. "Sport ist heute natürlich immer gut für den Körper, doch unser Nervensystem arbeitet stets dagegen, weil es das Laufen möglichst Energie sparend halten möchte", sagt Donelan.