Schon Kaiser Liu Qui aus der chinesischen Han-Dynastie schien eine gute Tasse Tee zu schätzen. Das Besondere: Der Herrscher lebte zwischen 188 und 141 v.Chr. – was die Teeblätter aus seinem Grab zu den bislang ältesten der Menschheitsgeschichte machen würden, so Houyuan Lu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und Kollegen. Der älteste schriftliche Nachweis stammt aus dem Jahr 59 v.Chr., die ersten Funde von Teeblättern stammen sogar erst aus der Zeit der Song-Dynastie, die zwischen 960 und 1127 existierte. Ursprünglich wollten die Forscher mit Hilfe der Teeblätter die Geschichte der Seidenstraße rekonstruieren, auf der auch Luxusgüter wie Tee aus den Anbaugebieten im südöstlichen und östlichen China nach Tibet und Zentralasien transportiert wurden. Die Altersdatierungen ergaben dann, dass die westliche Han-Dynastie das Heißgetränk schon früh konsumierte.

Gleichzeitig konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die nötigen Blätter bereits Jahrhunderte früher nach Tibet und ins westliche China geschafft wurden, als man bisher vermutete. Datierte Funde aus Grabbeigaben im tibetanischen Gurgyam-Friedhof weisen darauf hin, dass Tee hier schon im 2. oder 3. Jahrhundert getrunken wurde – der zuvor älteste Nachweis stammt aus der Zeit der Tang-Dynastie (618-907 n.Chr.). Ein Zweig der Seidenstraße führte daher wohl auch schon früh durch das westliche Tibet. Die gefundenen Pflanzenreste waren so stark zerfallen, dass die Forscher nicht mehr feststellen konnten, ob es sich um Blätter oder Knospen gehandelt hat. Chemische Analysen zeigten jedoch, dass es wahrscheinlich Überbleibsel von Teestrauchgewächsen der Gattung Camellia waren – deren Bestandteile auch heute die gängige Basis von grünem und schwarzem Tee bilden.