Sekretäre (Sagittarius serpentarius) sehen aus wie eine kleine Ausgabe der urtümlichen Terrorvögel, wenn sie auf langen Beinen durch die afrikanische Savanne stolzieren. Dort jagen sie Schlangen und andere bodenlebende Beute, die sie mit gezielten Tritten töten, bevor sie sie fressen. Welche Kräfte dabei wirken, untersuchten Monica Daley vom Royal Veterinary College und ihr Team mit Hilfe von Madeleine – trotz des Namens ein Männchen, das auf dem Gelände des Hawk Conservancy Trust in Hampshire lebt und dort darauf trainiert ist, zu Vorführzwecken Gummischlangen zu erlegen. Für ihren Test zogen die Wissenschaftler die vermeintliche Nahrung über eine im Boden versteckte Messplatte, die aufzeichnen sollte, mit welcher Wucht die Beinschläge ausgeführt werden. Gleichzeitig filmten Daley und Co das Geschehen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera.

Das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. Zwar bringt es jeder Schlag nur auf eine Kraft von 195 Newton (ein Profiboxer kann beim Schlag rund 5000 Newton erreichen), dafür geschieht das Ganze rasend schnell: Der Fuß des Greifvogels berührt den Schlangenkopf nur 15 Millisekunden – der Wimpernschlag eines Menschen dauert immerhin zehnmal so lang. "Umgerechnet transportieren die Sekretäre mit jedem Tritt das Fünf- bis Sechsfache ihres Körpergewichts in extrem kurzer Zeit. Das hat uns wirklich überrascht. Die mit einem einzigen aus dem Stand ausgeübten Kick aufgebrachte Kraft ist gewaltig", so der an der Studie beteiligte Forscher Steve Portugal von der University of London gegenüber der BBC. Aus evolutionärer Sicht ist dieses Verhalten jedoch nachvollziehbar, denn Sekretäre jagen auch Giftschlangen, die mit ihrem Biss töten könnten – besser, sie also gleich auf Anhieb zu erledigen oder wehrlos zu machen.