Letzte Woche entdeckten Spaziergänger an einem Strand auf der französischen Insel Réunion im Indischen Ozean ein Flügelteil, das zu einer Boeing 777 und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit zum bislang vermissten Flug MH370 der Malaysia Airlines gehört. Viele Nachrichtenagenturen und Zeitungen entsandten deshalb Reporter auf das Eiland zwischen Mauritius und Madagaskar, wo sie sogleich mit einer weiteren vermeintlichen Katastrophe konfrontiert wurden: dem Ausbruch des lokalen Piton de la Fournaise. Dieser Vulkan gehört allerdings zu den aktivsten der Erde und spuckt regelmäßig Lava, die sich dann die Hänge hinab zum Meer wälzt. Befürchtungen, dass wegen der Eruption die Insel evakuiert und die Suche nach weiteren Wrackteilen vorerst eingestellt werden müsste, entpuppten sich rasch als haltlos – die Bilder des Ausbruchs sind jedoch zweifellos beeindruckend, wie das Video zeigt.

Nach drei Tagen Aktivität endete der aktuelle Ausbruch bereits wieder am Sonntag ereignislos: Statt Notfallmaßnahmen beherrschten touristische Aktivitäten den Vulkan – Schaulustige und Wissenschaftler begaben sich zum Rand der Caldera, um den Anblick zu bewundern. Der Piton de la Fournaise brach damit zum dritten Mal in diesem Jahr aus; seit dem 17. Jahrhundert wurden mindestens 150 Eruptionen verzeichnet – eine Zahl, die nur wenige andere Vulkane weltweit momentan erreichen. Während der letzten Tage trat die Lava aus einer mehr als 600 Meter langen Spalte des Vulkans aus, wobei einzelne Fontänen bis zu 40 Meter in die Höhe schossen. Verglichen mit den beiden letzten Ereignissen förderte der Piton zudem mehr Lava, da sich an verschiedenen Ausbruchsstellen rasch bis zu 20 Meter hohe Kegel aus Vulkangestein gebildet hatten. Zudem flachte die Aktivität nicht schon nach nur einem Tag ab, sondern blieb auch nach 24 Stunden an mindestens fünf Positionen erhalten.

Da sich die Gesteinsschmelze derzeit immer an der Ostflanke des Vulkans durch ein Gebiet namens Grand Brule – der "Große Brand" – zum Ozean wälzt, gilt der Berg momentan nicht als gefährlich. Letztmals bedrohte und zerstörte er 1977 und 1986 Siedlungen im Südosten Réunions. Bei einer heftigen Eruption 2007 brach der Hauptkrater des Pitons ein: Sein Boden liegt seitdem 300 Meter tiefer als zuvor.