Aye-Ayes leben in den Wäldern Madagaskars, wo sie meist mit ihrem überdimensionierten Mittelfinger auf die Jagd nach Insekten unter der Baumrinde gehen. Die im Deutschen auch "Fingertier" genannten Lemuren verschmähen aber ebenso wenig nektarreiche Blüten und Früchte. Dadurch kommen sie immer wieder mit Alkohol in Kontakt, was sie offenbar nicht stört – im Gegenteil.

Wie viele andere Primaten, darunter auch der Mensch, haben Aye-Ayes entsprechende Abwehrmaßnahmen entwickelt, um die schädlichen Effekte des Alkohols abzumildern. Dadurch können sie vergorene Früchte oder alkoholhaltigen Nektar einigermaßen gefahrlos konsumieren. In einem einmonatigen Experiment mit Zootieren wollte nun ein Team um Samuel Gochman und Nathaniel Domin vom Dartmouth College überprüfen, ob sich die Tiere außerdem vom Alkohol angezogen fühlen.

Tatsächlich picken sich die Aye-Ayes, wenn sie die Wahl haben, den Becher heraus, in dem die Flüssigkeit mit dem höchsten Alkoholgehalt war (er lag bei fünf Prozent). Die Forscher beobachteten, dass die Tiere sogar dann noch in dem Gefäß herumstocherten, als es längst leer war. Ähnlich verhielten sich Plumploris, auch wenn die Forscher hier nicht genug Zeit hatten, um das Experiment bis zum Ende durchzuführen; die Daten waren dadurch statistisch nicht verwertbar.

Einen Rausch schienen die Tiere nicht zu bekommen. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist ihre nun nachgewiesene Vorliebe für Hochprozentiges dennoch sinnvoll, denn die Substanz liefert zusätzliche Energie – sofern man sie verwerten kann. Die Wissenschaftler spekulieren, dass die menschliche Stoffwechselmaschinerie zur Verdauung von Alkohol, die wir mit Menschenaffen und vielen anderen Primaten teilen, aus diesen Gründen entstand. Die Enzyme gaben unseren Vorfahren die Möglichkeit, sich mit vergorenen Früchten eine energiereiche Nahrungsquelle zu erschließen.

Bei uns Menschen bekam die Fähigkeit zur Alkoholverdauung später dann eine ganz eigene Dynamik, als wir in der Jungsteinzeit damit begannen, stärkehaltige Nahrungsmittel anzubauen. Nach Meinung mancher Forscher war der Hauptantrieb dabei nicht primär die Versorgung mit Nahrung, sondern die Möglichkeit, aus dem Getreide berauschendes Bier zu brauen. Rituale rund um Rausch und Alkohol hätten maßgeblich zur Herausbildung größerer gesellschaftlicher Einheiten beigetragen.