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News: Der (fast) vollständige Bauplan - für den Menschen

Die Sequenzierung des menschlichen Erbguts war nicht zuletzt ein Wettrennen zwischen öffentlichen und privaten Instituten. Jetzt steht fest: Gewonnen hat Celera, ein Unternehmen mit wirtschaftlichen Interessen. Allerdings will die Firma allen Wissenschaftlern kostenlosen Zugriff auf die Rohdaten ermöglichen. Nur für aufgearbeitete Dateien muss eine Gebühr entrichtet werden. Und zusätzlich hat Celera schon mehrere tausend Patentanträge auf menschliche Gene eingereicht.
Wer aber glaubt, mit der Kenntnis von 99 Prozent der Basenfolgen seien alle Probleme gelöst, der irrt sich gewaltig. Celera hat das mit öffentlichen Geldern finanzierte Human Genome Projekt bei der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes geschlagen und verfügt nun über eine Datenbank mit dem Genom von insgesamt sechs Männern und Frauen. Aber aus diesen Informationen geht noch nicht hervor, welche Abschnitte der DNA eigentlich Gene sind, wann und wo diese aktiv werden, welche Proteine nach den Bauplänen synthetisiert werden und wie diese miteinander wechselwirken. "Ein Durchbruch ja – aber auch der Anfang eines noch größeren, bevorstehenden Durchbruchs" kommentierte der Genetiker Erwin Heberle-Bors von der Universität Wien.

Dennoch werden die DNA-Sequenzen Wissenschaftlern die Arbeit erleichtern. Deshalb hat Celera auch angekündigt, die Rohdaten kostenlos allen Forschern zur Verfügung zu stellen. Wer sich daraus allerdings nicht selbst eine leicht lesbare Variante extrahieren möchte, den wird das Unternehmen für diesen Service zur Kasse bitten. Als zweite Einnahmequelle betrachtet es die Patentrechte an menschlichen Genen. Über 6000 Anträge hat die Firma schon eingereicht, und weitere werden folgen. Neben dem wissenschaftlichen Fortschritt bleibt es also auch interessant zu beobachten, welchen Umgang die Gesellschaft mit dem wirtschaftlichen Potential des menschlichen Genoms findet.

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