"Deine linke Hand wird schwer. Immer schwerer. Und schwerer. Und schwerer. Du kannst sie nicht mehr bewegen." Tatsache: Ist eine Hypnose entsprechend eingeleitet, kann sich der Proband seiner Umgebung bewusst werden, er kann die Augen öffnen und reden – nur seine Hand bewegen, das kann er nicht mehr. Was dabei im Hirn geschieht, haben jetzt Forscher der Universität Genf untersucht.

Noch immer ist weit gehend rätselhaft, wo überall im Gehirn die Zuflüsterungen des Hypnotiseurs ihre Wirkungen zeigen. Denn dass sie es tun, ist unbestritten – die Auffassung, der Trancezustand sei im Wesentlichen der Einbildungskraft besonders empfänglicher "Opfer" zu verdanken, haben Hirnforscher inzwischen widerlegt.

Wenn also die Hand eines Probanden suggestiv gelähmt ist, kann er sie nicht mehr rühren, weil Bewegungsareale in Gehirn außer Gefecht gesetzt sind? Oder will er es nicht – fehlt ihm also der Impuls, die Handlung auszuführen? Oder ist es gar noch komplizierter, und er kann nicht mehr wollen, weil zwischendurch etwas schief läuft?

Zwischen Wille und Handlung

Was der Genfer Neurowissenschaftler Yann Cojan und seine Kollegen jetzt beobachtet haben, fällt grob gesagt in die dritte Kategorie [1]. Sie meinen sogar den Verantwortlichen identifiziert zu haben, der sich auf halbem Weg zwischen Wille und Handlung ins Geschehen einschaltet.

Während zu Beginn in den motorischen Arealen alles normal läuft, eine Beeinträchtigung der eigentlichen Handlungsplanung demnach nicht erkennbar ist, wächst in der Anfangsphase die Aktivität im einem versteckt liegenden Großhirnareal im Scheitellappen: dem Präcuneus. Er ist nach Auffassung der Wissenschaftler schuld an der hypnosebedingten Lähmung.

Die Rolle passt gut zur Funktion, die ihm Hirnforscher bisher zusprachen. Neben räumlich-bildlichem Denken und dem Erinnern persönlicher Erlebnisse übernimmt er anscheinend Aufgaben, die mit der Selbstwahrnehmung zu tun haben: Er könnte im Normalfall dafür sorgen, dass wir uns als Handelnde wahrnehmen, dass wir die Welt aus der Perspektive der "Ersten Person" beobachten, und er vermittelt uns ein Bild des eigenen Körpers.

Hirnareal funkt dazwischen

Hier schlagen offenbar die Suggestionen des Hypnotiseurs zu, erläuert Cojan. Während ein Teil des Gehirns dabei ist, wie üblich die Bewegung auszuführen, könnte der Präcuneus dazwischenfunken: "Du kannst deine Hand nicht rühren, sie ist doch viel zu schwer." Die Forscher wollen außerdem beobachtet haben, dass anstatt der normalen Informationsweiterleitung von Planungs- und Kontrollbereichen zum motorischen Kortex verstärkt Leitungen zwischen Präcuneus und dem Motorkortex auf den Plan traten.

Das Forscherteam hatte nicht nur ihre zwölf Versuchspersonen hypnotisiert, sondern auch eine Kontrollgruppe gebeten, eine Handlähmung lediglich zu simulieren. In einem funktionellen Magnetresonanztomografen sollten beide Gruppen anschließend so schnell wie möglich auf einen Knopf drücken. Den Wissenschaftlern gab das die Gelegenheit, einen zweiten denkbaren Wirkmechanismus auszuschließen: das willentliche Unterdrücken einer Bewegung, wie es bei den Simulanten gefragt war. Anhand der Hirnscans konnten die Forscher hierfür ein gänzlich anderes Gehirnareal verantwortlich machen. In die hypnotisch verhinderte Bewegung der linken Hand schaltete es sich nicht ein.

Jochen Seitz vom Universitätsklinikum Aachen, der vor kurzem eine sehr ähnliche Studie auf einer Konferenz vorstellte [2], bescheinigt Cojan und Kollegen methodisch sehr sauberes Vorgehen, zweifelt allerdings daran, ob sich die dem Präcuneus zugedachte Rolle so eindeutig aus den Messdaten ablesen lässt. Möglicherweise stellt dessen Aktivierung eher eine Folge als eine Ursache der hypnotischen Lähmung dar – zum Beispiel könnte sich die Erwartung, dass sich eine geplante Handlung nicht in eine Bewegung umsetzen lässt, in der im Präcuneus verarbeiteten Selbstwahrnehmung niederschlagen.

Nur ein Nebeneffekt?

Seitz und Kollegen selbst beobachteten bei ihrer Untersuchung einen Mechanismus, der nach dem gleichen Prinzip funktionierte: Auch unter Hypnose ist der Wille grundsätzlich da, nur gelangt er nicht zur Ausführung. Die Aachener Forscher machen auf Grund ihrer Ergebnisse allerdings ein anderes, im Frontallappen gelegenes Hirnareal verantwortlich.

So spannend es auch sein mag, den Probanden einen gelähmten Arm einzuflüstern – oft ist es nicht die wundersame Welt der Hypnose selbst, die bei solchen Forschungen im Mittelpunkt steht. Bei so genannten Konversionsneurosen scheitern Patienten an Leistungen, die sie eigentlich beherrschen müssten. Vor allem nach traumatischen Erfahrungen scheinen dann ansonsten gesunde Patienten auf einen Schlag zu erblinden, zu verstummen, oder ihre Beine versagen den Dienst. Und in diesen Fällen ist es leider mit einem Fingerschnipsen nicht getan, um den Effekt aufzuheben.