James Bond war tatsächlich ein Ornithologe und beschrieb einige Vogelarten neu für die Wissenschaft: Einer seiner wichtigsten Funde gelang ihm dabei auf Kuba vor mehreren Jahrzehnten, als er ein Nest der extrem seltenen Kubaralle (Cyanolimnas cerverai) in den Sümpfen der Schweinebucht entdeckte – Schauplatz der gescheiterten Invasion von Exilkubanern gegen Fidel Castros Regierung. 40 Jahre lang galt der Wasservogel als verschollen, weil niemand ihn gesichert nachweisen konnte. Im November 2014 beobachteten Ornithologen um Andy Mitchell und Kollegen vom kubanischen Museum für Naturgeschichte jedoch erstmals wieder eine der Rallen in den ausgedehnten Riedgrasbeständen der Zapata-Halbinsel im Süden Kubas, wie die Naturschutzorganisation Birdlife International nun meldete.

Die Art lebt extrem versteckt in den Sümpfen und schlüpft selbst auf der Flucht zwischen den Gräsern hindurch, was eine Suche erschwert. Mitchell und Co schnitten daher einige kleine Schneisen in die Vegetation, so dass die Vögel offene Flächen überqueren mussten. Letztlich querte eine der Rallen innerhalb weniger Sekunden diese Lücke, als die Forscher glücklicherweise vor Ort waren. Ihr gesamter Bestand wird auf wenige Dutzend bis hundert Tiere geschätzt, die neben Zerstörung ihres Lebensraums vor allem unter eingeschleppten Tierarten leiden: Ratten und Mangusten plündern ihre Nester, afrikanische Welse fressen wahrscheinlich die Küken. In Teilen des Feuchtgebiets, in denen diese Fische bereits auftreten, ging die Zahl verschiedener Rallenarten drastisch zurück, und in den Mägen aufgeschnittener Welse fand sich regelmäßig der Nachwuchs von Wasservögeln. Da die Kubaralle aber nun sicher noch lebt, hoffen die Forscher, dass sie endlich einen effizienten Schutzplan für die Region erarbeiten können – zumal die kubanischen Sümpfe zahlreiche gefährdete und nur hier vorkommende Vogelarten, aber auch das Kubanische Krokodil beherbergen.

Zahlreiche Erkenntnisse gehen übrigens wirklich auf James Bond zurück – den US-amerikanischen Ornithologen, dessen Name den Schriftsteller Ian Fleming so inspirierte, dass er Agent 007 nach ihm benannte. Als Hommage an den Vogelkundler gibt sich der fiktionale James Bond im Film "Stirb an einem anderen Tag" ebenfalls als Ornithologe aus – und trägt dabei das Standardwerk "Birds of the West Indies" des echten Bond mit sich herum. Als Fleming Bond einst schrieb, dass er dessen Namen in seinen Büchern verwende, antwortete ihm das Vorbild angeblich ganz locker mit "Fine with it".