60 Jahre hat es gedauert, bis es wieder ein Lebenszeichen von Vanzolinis Kahlgesichtigem Saki (Pithecia vanzolinii) gab: 1956 wurde die Affenart aus dem westlichen Amazonasbecken erstmals wissenschaftlich beschrieben, doch bis 2016 blieb sie quasi verschollen. Erst dann erhielten die Biologen André Nunes von der Universidade Federal de Mato Grosso do Sul und José Serrano-Villavicencio von der Universidade de São Paulo zufällig Kenntnis von einem toten Affen, der in einem Reservat im brasilianischen Bundesstaat Acre erlegt worden war und letztlich als Kahlgesichtiger Saki identifiziert wurde. Damit war zwar der Nachweis erbracht, dass die Art noch existiert; ihre Lebensweise und ob sie eventuell gefährdet ist, ließ sich aus dem Fund jedoch nur indirekt ableiten.

Um diese Fragen zu beantworten, startete im Februar 2017 eine Expedition in teilweise sehr entlegene Gebiete im westlichen Amazonien, die nicht nur die Art erstmals lebend aufspüren, sondern auch Informationen über ihren Lebensraum und Bedrohungsstatus einholen soll. Und tatsächlich hatten die Teilnehmer der "Houseboat-Amazon-"Expedition bereits Erfolg. Wie die Leiterin Laura Marsh vom Global Conservation Institute in Santa Fe letzte Woche über soziale Medien mitteilte, konnten die Teilnehmer der Fahrt die Affen lebend aufspüren und fotografieren – als erste Wissenschaftler überhaupt. Die Tiere wurden demnach entlang des Rio Eiru im brasilianischen Bundesstaat Amazonas aufgespürt; dort kommen sie auf beiden Seiten des Stroms vor. Das Gebiet liegt im Bereich früherer Funde, nach denen die Art beschrieben wurde.

Wie Marsh und Co allerdings berichten, wird in der Region im Umfeld um die Kleinstadt Eirunepe stark gejagt und der Regenwald abgeholzt. Die Sakis sind häufig die letzten größeren Affen, die hier noch leben – was Anlass zur Hoffnung wie zur Sorge ist, da sie anscheinend häufiger vorkommen, aber ebenfalls überjagt werden könnten. Abseits dieser Siedlung und anderer Dörfer scheint der Regenwald noch weitgehend intakt: Aufnahmen einer mitgeführten Drohne zeigen teilweise riesige Gebiete geschlossenen Urwalds, der bislang praktisch nicht erforscht wurde.

Die Wissenschaftler hoffen, dass dieses Ökosystem wegen Vanzolinis Kahlgesichtigem Saki zu einem Schutzgebiet deklariert wird und deshalb intakt bleibt. Doch die Zeit drängt: Es existieren Pläne, den Regenwald rund um das Wassereinzugsgebiet des Alto Rio Jurua in Brasiliens nationales Waldsystem zu integrieren. Das würde Straßenbau und Holzfällerei erlauben. Die Forscher wollen eine Bestandsaufnahme nicht nur der Affen, sondern ganz generell von der regionalen Biodiversität machen.