Es gibt wohl kaum jemanden, bei dem das herbstliche Gedröhn von Laubbläsern in der Nachbarschaft keine unangenehme Anspannung auslöst oder der sich noch nie von gefälliger Kaufhausmusik zu überschwänglicher Kauflust hätte verführen lassen. Klänge und Geräusche können Stimmungen ändern, meist unmerklich und manchmal schlagartig. Weiyi Ma und William Forde Thompson von der Macquarie University in Sydney führen das auf einen direkten und privilegierten Zugang des Gehörs zu unseren Emotionen zurück und beanspruchen für sich damit – ganz nebenbei –, einen experimentellen Beleg für ein altes Postulat Charles Darwins zur Entstehung der Sprachen gefunden zu haben.

Der Urvater der Evolutionstheorie war davon ausgegangen, dass sich unsere Sprache aus lautlichen Nachahmungen von Umweltgeräuschen – einer musikalischen Protosprache – entwickelt habe. Denn die Geräuschkulisse war für unsere Vorfahren von herausragender Bedeutung, lieferte sie ihnen doch zuweilen überlebenswichtige Hinweise. Besonders auf Veränderungen in der akustischen Umgebung reagierten sie äußerst empfindlich. Ein plötzliches Knacken von Ästen oder das sich schnell nähernde tiefe Brummen eines Bären ließ sie unwillkürlich aufschrecken.

Spuren dieses urzeitlichen Programms sind auch beim modernen Menschen noch nachzuweisen, erklären die Forscher. Für ihre Studie ließen sie 50 Probanden zunächst ein breites Spektrum verschiedenartiger Geräusche bewerten: von solchen menschlichen und tierischen Ursprungs bis hin zu Maschinenlärm und Tonaufnahmen von Naturphänomenen. Es zeigte sich, dass Geräusche, die die Probanden als emotional berührend beschrieben, vor allem laute, tiefe Klangmuster mit breitem Frequenzspektrum und hohem Tempo waren. Und das seien eben genau die Merkmale, die schon für unsere urzeitlichen Vorfahren relevant gewesen seien, erklären die Forscher.

Denn Änderungen in Frequenz, Lautstärke und Tempo enthalten signifikante Informationen über die Größe, Nähe und Bewegung einer Geräuschquelle und damit über deren potenzielle Bedrohlichkeit. Davon werden menschliche Emotionen offenbar unmittelbar beeinflusst oder gar direkt gesteuert. Darauf deuten die Ergebnisse eines weiteren Experiments hin. Dafür wurden die Studienteilnehmer gebeten, Gesichtsausdrücken Emotionen zuzuordnen. Es zeigte sich, dass die Bewertungen, nachdem die Hintergrundgeräusche während der Befragung unmerklich verändert worden waren, deutlich anders ausfielen.

Dass es in Umweltgeräuschen, Sprache und Musik dieselben Attribute sind, die menschliche Emotionen beeinflussen, lasse Rückschlüsse auf die Evolution der Sprache zu, meinen die Forscher. Ausschlaggebend für die emotionale Qualität seien in allen Fällen dieselben Merkmale: Frequenz, Lautstärke und Tempo.

Dies lasse vermuten, dass aus den mit bestimmten Emotionen verknüpften Umweltgeräuschen die ersten bedeutungstragenden Lautäußerungen entstanden seien. Demnach haben unsere Vorfahren die für sie bedeutsamen Geräusche stimmlich nachgeahmt und damit ihren Artgenossen Informationen über bestimmte Umweltbedingungen mitgeteilt. Im Lauf der Zeit seien diese Lautäußerungen dann immer mehr von den Umweltgeräuschen entkoppelt und schließlich zu Trägern individueller Stimmungen und Gefühle abstrahiert worden. Das Ergebnis sei eine emotionale Kommunikation basierend auf Umweltgeräuschen gewesen, aus der sich später sowohl die Sprache als auch die Musik entwickelt hätten.