Der Ausbruch des Pinatubo gehört zu den gewaltigsten des letzten Jahrhunderts: Als der philippinische Feuerberg seinen Gipfel am 15. Juni 1991 absprengte, spuckte er mehr als zehn Kubikkilometer Asche in den Himmel, die sich in weitem Umkreis auf Reisfeldern und Wäldern niederschlug und viel pflanzliches Leben erstickte. Zusammen mit weiteren 17 Millionen Tonnen Schwefelsäure reiste ein Großteil der kleinen Partikel mit Luftströmungen um die Erde. Sie hüllten unseren Planeten in einen grauen Schmutzschleier, der die Ozonschicht schädigte, aber auch das Sonnenlicht abblockte – und uns ein relativ kühles Jahr bescherte: Um 0,6 Grad Celsius lagen die Temperaturen unter dem langjährigen Durchschnitt.

Knapp 900 Menschen starben, Zehntausende mussten umziehen. Zerstört wurden zahlreiche Dörfer und die Landwirtschaft der Region. Und doch sind all diese Schäden nur Peanuts verglichen mit dem, was wir befürchten müssten, würde der Toba auf Sumatra dereinst wieder zum Leben erwachen. Denn wo sich heute ein See in idyllischer Umgebung auf der indonesischen Insel ausbreitet, schlummert ein so genannter Supervulkan – ein "Tor" zum Erdinnern, das wegen der schieren Größe seiner Magmakammer keinen eigenständigen Berg aufbauen kann, sondern als riesige Caldera, als Einbruchkrater, vom Wirken der magmatischen Kräfte zeugt.

Toba-Krater heute
© NASA
(Ausschnitt)
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Ein 100 Kilometer langer und bis zu 35 Kilometer breiter See erstreckt sich heute in der Caldera des Toba – eines Supervulkans auf Sumatra.
Vor etwa 73 000 Jahren brach der Toba das letzte Mal aus – und brachte Tod und Verderben über die Erde, wie nun Martin Williams von der University of Adelaide und seine Kollegen belegen. Etwa 2800 Kubikkilometer Material schleuderte die Explosion aus, was Teile Sumatras teilweise unter 600 Meter dicken Ablagerungen verschwinden ließ. In noch deutlich größerem Ausmaß als beim Pinatubo waberten Asche und Schwefelpartikel rund um den Globus, so dass man heute noch größere Ablagerungen in tausenden Kilometern Entfernung in Indien, dem Arabischen oder Südchinesischen Meer findet: Sie erreichen nicht die Mächtigkeiten der vulkanischen Sedimentpakete auf Sumatra, doch reichten sie aus, um die Vegetation unter einer zentimeterdicken Lage aus ätzendem Material zu ersticken.

Doch das dürfte für das Pflanzenkleid – zumal der Tropen – nicht die schlimmste Folge der Eruption gewesen sein, wie Williams Team anhand von Pollendiagrammen und Klimadaten zusammengetragen hat. "Die helle Asche und die Schwefelsäuretröpfchen schirmten die Erde gegen die Sonneneinstrahlung ab – und lösten eine plötzliche Eiszeit aus, die etwa 1800 Jahre andauerte", beschreibt Stanley Ambrose von der University of Illinois in Urbana, Koautor der Studie, einen Teil der Spätfolgen. Im "vulkanischen Winter" fielen die Temperaturen regional um bis zu 16 Grad Celsius.

Hand in Hand mit der Abkühlung verringerten sich auch vielerorts die Niederschläge, da die Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen konnte. Dürren suchten die Pflanzenwelt gerade auch in den Tropen heim, wie Kohlenstoffspuren in den Sedimenten andeuten. "Ein markanter Wandel vollzog sich in der Vegetation Indiens unmittelbar nach der Explosion: Viele Farne, die feuchtes Klima benötigen, verschwanden. Und statt dichter Wälder machten sich offene Grasländer oder Buschland breit, die andere Kohlenstoffspuren in den Ablagerungen hinterlassen", erklärt Ambrose.

Mindestens 1000 Jahre lang konnte sich die Vegetation von diesem Schock nicht erholen, schließt der Forscher – erst dann seien wieder Wälder aufgekommen: "Das ist der eindeutige Beweis, dass der Toba die Tropen für längere Zeit entwaldet hat." Eine Katastrophe, die auch Folgen für die Tierwelt hatte, wie genetische Analysen und Fossilienfunde zeigen: Orang-Utan, Schimpansen oder Tiger mussten damals empfindliche Bestandseinbrüche hinnehmen, die ihre Spuren als genetischer Flaschenhals im Erbgut hinterließen. In die Zeit der Toba-Eruption fällt zudem die Trennung von Östlichem und Westlichem Flachlandgorilla, was andeutet, dass auch die afrikanischen Wälder auf isolierte Relikte zusammenschrumpften – zumal Sedimentbohrkerne aus mehreren der großen ostafrikanischen Seen andeuten, dass es damals zu einem dramatischen Abfall des Seespiegels durch ausbleibende Niederschläge kam.

Auch für die damaligen Menschen brach eine schwere Zeit an, meint Ambrose, der bereits vor Jahren einen Zusammenhang zwischen dem verarmten Erbgut der heutigen Menschen und der globalen Naturkatastrophe vermutete: Nur in einem kleinen Gebiet in den afrikanischen Tropen hätten demnach unsere Vorfahren überlebt. Damit stellt sich der Forscher erneut gegen eine These, die – basierend auf archäologischen Funden in Indien direkt oberhalb der Ascheschicht – ein Überleben von Menschen auch in Asien für möglich hält. Ein Kontrast, der wohl weiterer Aufklärung bedarf.

Immerhin hat Stanley Ambrose trotz des damaligen Desasters eine tröstliche Botschaft parat: "Die Katastrophe zwang den frühen Homo sapiens zu besserer Zusammenarbeit und neuen Überlebensstrategien. Und das ermöglichte es ihm wohl, den Neandertaler und andere archaische Menschenarten zu verdrängen." Ein Siegeszug aus der Asche des zeitweiligen Weltuntergangs.