Kängurus benutzen lieber entweder die linke oder rechte Vorderpfote, nicht aber beide gleich gern. Von Känguruart zu Känguruart sind dabei allerdings klare Unterschiede erkennbar.

Das fand ein Team aus russischen und australischen Forschern von der Saint Petersburg State University und der University of Tasmania heraus. Sie beobachteten Kängurus von vier verschiedenen Arten dabei, wie sie fraßen, sich mit den Pfoten aufstützten und sich putzten. Die Mehrzahl der Roten und Grauen Riesenkängurus benutzte durchgehend die linke Pfote. Bei den Bennett- und Baumkängurus war die Unterscheidung weit weniger eindeutig. Während die meisten Bennett-Kängurus zwar eine Lieblingspfote hatten, war das Verhältnis von Links- zu Rechtshändern beinahe ausgeglichen. Etwa die Hälfte der Baumkängurus verwendete dagegen beide Vorderpfoten zu gleichen Teilen.

Wie stark eine Spezies dazu neigt, eine der Vorderpfoten zu bevorzugen, scheint direkt mit der Art ihrer Fortbewegung verknüpft zu sein. Riesenkängurus benutzen zum Hüpfen vor allem ihre Hinterbeine, Baumkängurus haben dagegen einen kletternden Lebensstil und benötigen alle vier Gliedmaßen. Das Bennett-Känguru nimmt dagegen eine Zwischenstellung ein. Die Fortbewegung auf zwei Beinen erlaubt es, die Vorderpfoten für andere Tätigkeiten einzusetzen, was das mögliche Aktivitätsspektrum deutlich erweitert. Bei einer Tätigkeit mit beiden Vorderpfoten wird der Bewegungsablauf umso präziser, wenn eine von ihnen den Ton angibt. Deshalb sind Rechts- bzw. Linkshänder unter Zweibeinern klar im Vorteil. Forscher entdeckten diesen Zusammenhang auch bei Menschenaffen: Bei Gorillas und Orang-Utans, die oft auf allen vieren laufen, ist die Vorliebe für eine bestimmte Hand weit weniger ausgeprägt als beispielsweise bei Schimpansen, die nicht selten auf zwei Beinen unterwegs sind.

Die Forscher wiesen mit dem Ergebnis der Studie erstmals nach, dass neben Menschen und Primaten auch andere Spezies eine bestimmte Gliedmaße konsequent bevorzugen. Obwohl 70 Prozent der bisher untersuchten Tiergruppen, darunter auch solche wie Spinnen und Krabben, eine Lieblingsgliedmaße besaßen, hängt es in der Regel von der konkreten Situation und Tätigkeit ab, für welche sie sich entscheiden. Bisher gibt es allerdings nur wenige Studien, die die Händigkeit bei Nichtprimaten überhaupt genauer untersucht haben.

Aber warum sind Riesenkängurus ausgerechnet Linkshänder, wohingegen beim Menschen eindeutig Rechtshänder die Mehrheit stellen? Im menschlichen Gehirn herrscht in der Regel eine klare Arbeitsteilung zwischen beiden Gehirnhälften, die jeweils die gegenüberliegende Körperseite kontrollieren. Die Sprachfähigkeit fällt in den Aufgabenbereich der linken Gehirnhälfte. Einige Forscher vermuten darin den Schlüssel zur Rechtshändigkeit: Kommunikation und Händigkeit sind über die Gestik unmittelbar verknüpft. Da die Gehirnhälften von Beuteltieren vermutlich gänzlich anders verschaltet sind, ist die Ursache für Linkshändigkeit bei Kängurus dagegen völlig unklar.