Mathematische Verfahren, mit denen Astrophysiker Galaxien in Typen einteilen, eignen sich auch, verschiedene Strömungen in der abstrakten Kunst zu charakterisieren.

Jonas Mureika von der Loyola-Marymount-Universität in Los Angeles und seine Kollegen unterzogen abstrakte Gemälde, darunter auch von action painter Jackson Pollock, Multifraktalanalysen. Dabei untersuchten sie die Formen der Flecken einer Farbe und die Übergänge zwischen zwei Farbflecken.

Die Forscher stellten fest, dass die Analyse zwar zwischen verschiedenen Strömungen in der abstrakten Malerei differenzieren konnte, nicht aber zwischen verschiedenen Malern. Dies ist jedoch anhand der Muster der Farbübergänge möglich und könnte daher auch zur Identifizierung von Gemälden eingesetzt werden, so Mureika und seine Kollegen. Es gelang ihnen allerdings nicht, über eine fraktale Rekonstruktion einzelne typische Signaturen herauszufiltern, die als Kennzeichen bestimmter Strömungen gelten könnten.

Mureika und seine Mitarbeiter wollen mit ihrer Suche nach fraktalen Strukturen in Gemälden – also sich selbst ähnelnden Mustern, die sich im Kleinen wiederholen – unter anderem herausfinden, ob sich darin bestimmte Varianten verbergen, die unbewusst auf den Betrachter wirken – indem sie ihm beispielsweise Informationen darüber geben, wie das Werk entstanden ist. Verantwortlich dafür könnten Spiegelneurone sein, so die Forscher. Diese speziellen Nervenzellen werden aktiv, wenn jemand die Bewegungen anderer beobachtet und daraus die Bedeutung der Handlung erfasst: Sie könnten die Brücke bilden zwischen der ersten visuellen Verarbeitung des Bildeindrucks und der daraus abgeleiteten Erkenntnis, durch welche Aktionen das Gemälde entstand.