Anfang Dezember ist wieder Vollmond, und der Erdtrabant steht am 3. Dezember direkt neben Aldebaran und dem offenen Sternhaufen der Hyaden. Er befindet sich im v-förmigen Teil des Sternbilds Stier, der die Hörner des mythologischen Tiers darstellt. Die Hyaden sind von uns rund 150 Lichtjahre entfernt. Mitte Dezember erscheint der Mond nur noch als eine schmale Sichel und geht am frühen Morgen des 15. Dezember kurz nach den Planeten Mars und Jupiter auf.

Mondsichel mit Jupiter und Mars am 15. Dezember
© Tobias Häusler / Stellarium
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Am frühen Morgen des 15. Dezember zeigt sich tief am östlichen Horizont die dünne Sichel des abnehmenden Mondes in Begleitung der Planeten Jupiter und Mars.

In der selben Nacht lassen sich auch recht viele Sternschnuppen beobachten. Die Geminiden, die scheinbar aus dem Sternbild Zwillinge kommen, durchlaufen mit rund 80 Sternschnuppen pro Stunde ihr Maximum. Dieser Wert gilt allerdings für optimale Sichtbedingungen wie einen klaren, dunklen Himmel und einen hohen Stand des Sternbilds Zwillinge über dem Horizont. Die Geminiden sind vermutlich kleine Partikel des erloschenen Kometen (3200) Phaeton, der sich jetzt langsam auflöst. Die Sternschnuppen haben eine Geschwindigkeit von rund 36 Kilometern pro Sekunde und erzeugen somit mittelschnelle Meteore.

Bahn des Asteroiden (3200) Phaeton
© Tobias Häusler / Easy Sky
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Der Meteorstrom der Geminiden geht auf den Asteroiden (3200) Phaeton zurück, der die Sonne auf einer stark gegen die Erdbahn geneigten und ausgesprochen elliptischen Umlaufbahn (violett) umrundet. Es dürfte sich bei ihm um den Rest eines ehemaligen Kometen handeln, der den größten Teil seiner leicht flüchtigen Stoffe bei den Umläufen um die Sonne verloren hat.
Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im Dezember empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Der Winterhimmel bietet einiges für den Beobachter: Schon dem bloßen Auge zeigt sich in der Nähe des Sternbilds Stier der offene Sternhaufen der Plejaden, auch Siebengestirn genannt. Diese auffällige Ansammlung von heißen, blauweiß leuchtenden Sternen befindet sich mitten in einem großen Gebiet aus galaktischem Zirrus. Das sind ausgedehnte Wolkenstrukturen aus Staub und Gas, die man normalerweise nicht sehen kann, da die interstellare Materie von sich aus nicht leuchtet. Die Sterne der Plejaden sind jedoch darin eingebettet und beleuchten diese Wolken, die das Licht reflektieren. Daher zeigt sich auf lang belichteten Bildern der Plejaden immer ein blauer Reflexionsnebel um die hellsten Sterne. Der Nebel ist visuell sehr schwer im Teleskop zu sehen. An dem hellen Stern Merope gelingt es aber unter sehr guten Bedingungen doch etwas auszumachen, und man kann den so genannten Merope-Nebel erkennen. Die Plejaden werden am besten mit kleiner Vergrößerung oder sogar nur mit dem Fernglas beobachtet, damit der Haufencharakter nicht verloren geht.

Der offene Sternhaufen der Plejaden
© Tommy Nawratil
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Tommy Nawratil belichtete rund 6,5 Stunden, um die Reflexionsnebel um den offenen Sternhaufen der Plejaden und den umgebenden galaktischen Zirrus im Sternbild Stier abzulichten. Er verwendete für diese Aufnahme einen 130-Millimeter-Refraktor von Takahashi und eine Canon EOS 6DA.

Der galaktische Zirrus zieht sich weiter bis zum Perseus, wo sich ein tiefroter Emissionsnebel zeigt. Der Kalifornianebel NGC 1499 befindet sich genau am Stern Menkip oder xi Persei. Er erscheint ähnlich groß wie die Plejaden, leuchtet aber sehr schwach. Am besten beobachtet man ihn ebenfalls bei sehr kleiner Vergrößerung unter einem tiefdunklen und klaren Himmel. Im dicht besiedelten Mitteleuropa wird meistens ein H‑Beta‑Filter benötigt, um den Nebel zu sehen. Dieser unterdrückt aber nicht nur das künstliche Licht, sondern auch das Licht der umgebenden Sterne in der Wintermilchstraße, während er die H‑Beta‑Linie hervorhebt. Der Kalifornianebel und der Pferdekopfnebel im Sternbild Orion sind neben einigen wenigen planetarischen Nebeln leider die einzigen Nebel, die von diesem Filter profitieren.

Der Kalifornianebel NGC 1499 im Sternbild Perseus
© Christian Rusch
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Christian Rusch gelang von der schweizerischen Schwägalp in 1300 Meter Höhe dieses Bild des Kalifornianebels NGC 1499 im Sternbild Perseus. Er belichtete die Szene mit einem Canon-Zoomobjektiv 70-200 Millimeter für insgesamt 96 Minuten.

Passend zur Jahreszeit und den Temperaturen finden sich aber noch andere Objekte am Nachthimmel, die sich zudem einfacher beobachten lassen: Der Eskimonebel NGC 2392 hat seinen Namen durch seine Ähnlichkeit mit einem Gesicht mit Kapuze, das man bei einer Vergrößerung ums 150‑-Fache mit etwas Fantasie erkennen kann. Der Eskimonebel ist nur 10 mag hell, daher wird mindestens ein Teleskop mit 20 Zentimeter Öffnung benötigt, um ihn zu sehen und dabei höher vergrößern zu können. Der planetarische Nebel befindet sich im Sternbild Zwillinge, etwas unterhalb des Sterns Wasat oder Delta Gemini.

Aufsuchkarte für den Eskimonebel und den Konusnebel mit Weihnachtsbaum-Sternhaufen
© Tobias Häusler / Easy Sky
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In den Sternbildern Zwillinge und Einhorn befinden sich der planetarische Nebel NGC 2392 und der Konusnebel NGC 2264. Sie werden wegen ihres Erscheinungsbilds im Teleskop auch als Eskimonebel und Weihnachtsbaum-Sternhaufen bezeichnet.

Zwischen dem Kleinen Hund mit dem Stern Prokyon und dem berühmten Himmelsjäger Orion befindet sich das unscheinbare Sternbild Einhorn, lateinisch: Monoceros. Am nördlichsten Hauptstern 15 Monocerotis liegt der Weihnachtsbaum-Sternhaufen. Er sollte schon in einem guten Fernglas zu erkennen sein, in einem kleinen Teleskop bei geringer Vergrößerung aber auf jeden Fall. Der Stern bildet den Stamm des Weihnachtsbaums. Wenn wir seinen Ästen weiter bis an die Spitze folgen, begegnet uns der Konusnebel als Krönung des Baumes. Um den Konusnebel zu sehen, wird jedoch ein etwas größeres Teleskop ab 20 Zentimeter Öffnung benötigt. Ein Nebelfilter ist hier ebenfalls hilfreich.

Der Weihnachtsbaum-Sternhaufen
© Reiner Guse
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Im Sternbild Einhorn zeigt sich um den Nebel NGC 2264 der Weihnachtsbaum-Sternhaufen. Auf seine Spitze weist der dunkle Konusnebel. Norden ist in diesem Fall unten. Reiner Guse nutzte ein Vier-Zoll-Teleskop von Borg und eine Kamera Alccd9, um dieses Bild in vier unterschiedlichen Spektralbereichen aufzunehmen.