Kurz nach Einbruch der Nacht zeigen sich als Erstes die beiden größten Planeten des Sonnensystems, Jupiter und Saturn. Jupiter steht im Sternbild Jungfrau schon tief über dem Westhorizont und geht noch vor Mitternacht unter. Auch Saturn kommt im Sternbild Skorpion nicht über eine Höhe von 20 Grad über dem Südhorizont, er ist allerdings etwas länger als Jupiter zu sehen. Ganz in der Nähe von Saturn lässt sich auch der Zwergplanet Pluto finden. Mit einer Helligkeit von nur rund 14 mag ist er aber extrem leuchtschwach und somit der Beobachtung mit größeren Teleskopen vorbehalten.

Ein Stück weiter auf der Ekliptik und etwas später in der Nacht treffen wir auf Neptun im Sternbild Wassermann. Er zeigt sich auch in einem großen Teleskop nur als ein winziges Scheibchen ohne Oberflächendetails. Jedoch begeistert Neptun mit seiner kräftigen, tiefblauen Farbe, die durch das Methan in seiner oberen Atmosphäre entsteht.

Der Mond nimmt in der zweiten Monatshälfte wieder ab, denn am 23. Juli ist Neumond. Die kommenden Nächte eignen sich also besonders gut, um leuchtschwache Objekte in der Milchstraße ohne störendes Mondlicht zu beobachten. Über dem Südhorizont beginnen wir mit unserer Wanderung auf der Sommermilchstraße.

Zwischen Saturn und dem Sternbild Schütze liegt der Lagunennebel Messier 8, der groß und hell im Teleskop zu sehen ist. Ihn begleitet der Trifidnebel Messier 20. Beide Nebel zeichnen Dunkelwolken aus, die sie unterteilen. Beim Lagunennebel ist es eine große Wolke, die den Nebel in zwei Hälften teilt, beim Trifidnebel sind es, wie der Name schon vermuten lässt, drei Teile.

Lagunen- und Trifid-Nebel
© Tobias Häusler
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Im Sternbild Schütze lassen sich mit einem kleinen Teleskop der Lagunennebel Messier 8 (Bildmitte) und der kleinere Trifidnebel Messier 20 (rechts oberhalb) beobachten. Allerdings treten ihre bunten Farben nur in fotografischen Ansichten hervor, dem menschlichen Auge erscheinen die Nebel im Fernrohr eher grünlich-grau.

Ein kleines Stück weiter nach oben, zwischen Lagunennebel und Schildwolke, sieht man schon im Fernglas zwei helle Flecken. Einer davon ist der Schwanen- oder auch Omeganebel. Seine Form erinnert an den halben großen griechischen Buchstaben Omega oder auch an einen schwimmenden Schwan. Mit einem UHC-Nebelfilter und einer 100-fachen Vergrößerung zeigt er sich im Teleskop deutlich und am schönsten. Es lassen sich dann dunkle Knoten und Filamente im "Gefieder" des Schwans sichten.

Die "Säulen der Schöpfung" im Adlernebel (Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble)
© NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI / AURA)
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Eine der berühmtesten Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble ist diese Detailansicht des Adlernebels Messier 16, welche die "Säulen der Schöpfung" zeigt. In den dunklen Wolken aus Gas und Staub entstehen neue Sterne.

Der andere helle Fleck in diesem Himmelsareal ist der Adlernebel; von ihm stammt eines der bekanntesten Bilder des Weltraumteleskops Hubble, die "Säulen der Schöpfung". Unter sehr guten Bedingungen und mit einem größeren Teleskop ab 250 Millimeter Öffnung lassen sich im Zentrum des Nebels auch tatsächlich diese dunklen Molekülwolken erkennen, sie wirken wie zwei Finger. Natürlich ähnelt der Anblick nicht demjenigen mit dem Weltraumteleskop Hubble, aber wie so oft ist auch hier der visuelle Eindruck umso imposanter, je mehr man über das Objekt weiß. Der Name ist ein Hinweis darauf, dass im Inneren der beiden dunklen Finger neue Sterne entstehen. Das Material ballt sich durch seine Schwerkraft zusammen, es werden neue Sterne geboren, und die dunklen Wolken werden mit der Zeit verschwinden. Mit Infrarotteleskopen können Astronomen schon jetzt durch den Wolkenvorhang schauen und die dort befindlichen jungen Sterne sehen.

Adlernebel Messier 16 (Übersichtsbild)
© Thomas Wolf
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Thomas Wolf fotografierte am 22. Mai 2017 den Adlernebel Messier 16 von der Kanareninsel La Palma aus. Die "Säulen der Schöpfung" lassen sich als zwei dunkle Finger erkennen.

Mit dem Sternbild Schwan – nicht zu verwechseln mit dem nahe gelegenen Nebel – stehen weitere spannende Nebelgebiete am Sommerhimmel, die ich zu Monatsanfang schon beschrieben hatte. Das spektakulärste jedoch ist der Zirrus-Nebelkomplex, ein Supernova-Überrest. Er liegt etwa unter dem rechten Flügel des Schwans beim Stern 52 Cygni. Der Zirrusnebel besteht aus drei großen Teilen: dem Sturmvogel, der Knochenhand und dem Triplett.

Der Sturmvogel befindet sich direkt bei 52 Cygni. Er zeigt auf der nordöstlichen Seite eine Spitze und weitet sich in Richtung Südosten aus. Dabei folgt der Nebel einer wellenförmigen Linie. Die Knochenhand begrenzt den Nebelkomplex zur nordwestlichen Seite. Der Name ist hier sehr passend. Der Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass Nebel im Teleskop immer grau erscheinen und besonders in kleineren bis mittelgroßen Teleskopen nicht in Farbe. Die beste Vergrößerung liegt hier bei etwa 50- bis 70-fach. Ein Weitfeldokular bietet dabei einen atemberaubenden Anblick. Das ist aber natürlich vom Betrachter abhängig. Mit höheren Vergrößerungen lassen sich auch schön die Bereiche abfahren, und man kann sich in den zerfaserten Filamenten verlieren. Das Triplett ist etwas leuchtschwächer als die anderen beiden. Es liegt nahe dem Sturmvogel etwa auf der Höhe von dessen Spitze. Die untere Spitze des Dreiecks erstreckt sich bis weit hinter den Sturmvogel.

Der Zirrusnebel (Übersichtsbild)
© Christian Mücksch
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Christian Mücksch gelang diese Ansicht des ausgedehnten Zirrusnebels im Sternbild Schwan am 7. August 2016. Dieser Nebel ist der Überrest einer Supernova.

Für die Beobachtung des Zirrusnebels ist ein sehr dunkler Himmel notwendig, zudem wird ein relativ großes Teleskop und auf jeden Fall ein Nebelfilter benötigt. Der Nebel ist auch in kleinen Teleskopen zu sehen, allerdings macht seine Beobachtung erst jenseits von 200 Millimeter Teleskopdurchmesser wirklich Spaß.