Der Frühling ist da. Auch wenn das Wetter hier und da noch nicht mitspielen will, der meteorologische Frühlingsanfang war schon am 1. März. Die astronomische oder auch kalendarische Jahreszeit Frühling beginnt, wenn die Sonne am Frühlingspunkt steht, der sich im Sternbild Fische befindet. An dieser Stelle kreuzen sich die Ekliptik, die scheinbare Bahn der Sonne am Himmel, und der Himmelsäquator. Diesen Punkt gibt es auch auf der anderen Seite des Himmels im Sternbild Jungfrau und wird dort Herbstpunkt genannt. Befindet sich die Sonne an einem dieser Punkte und damit auf dem Himmelsäquator, sind Tag und Nacht gleich lang. Daher der Name "Tag-und-Nacht-Gleiche" oder Äquinoktium. Steht die Sonne im Norden wieder oberhalb des Himmelsäquators, so werden die Tage länger, steht sie darunter, werden sie kürzer, da sie sich dann länger unter dem Horizont befindet.

Schemagrafik für Frühlingspunkt und Erdbahnebene
© SuW-Grafik, nach: S.fonsi / Ecliptic / CC BY-SA 3.0 CC BY-SA
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Der Frühlingspunkt ist einer der beiden Schnittpunkte zwischen dem Himmelsäquator und der Erdbahnebene, in der die scheinbare jährliche Sonnenbahn (Ekliptik) liegt.

In der zweiten Märzhälfte stört der Mond immer weniger, bis am 28. der Neumond erreicht ist. In diesen Tagen können wir uns den schwach leuchtenden Objekten des Nachthimmels widmen und besonders tief ins All schauen. In seinem Lauf kommt der Mond vorher noch am Planeten Saturn vorbei. Der Saturn steht derzeit im Sternbild Schütze und lässt sich am besten morgens über dem Südhorizont beobachten. Der Mond zieht weiter seine Bahn und steht fotogen als junge, schmale Sichel am 31. März in der Nähe des offenen Sternhaufens der Hyaden. Auch das Siebengestirn, die Plejaden, sind nicht weit entfernt. Die darauf folgende Durchquerung der Hyaden ist leider von uns aus nicht sichtbar, da sich dann der Mond unterhalb des Horizonts befindet.

Mond bei den Hyaden am Abend des 31. März 2017 (Übersichtsgrafik)
© Tobias Häusler / Stellarium
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Am Abend des 31. März 2017 zeigt sich die schmale Sichel des zunehmenden Mondes in der Nähe des offenen Sternhaufens der Hyaden im Sternbild Stier.
Für weitere Informationen über das Geschehen am Nachthimmel im März empfehlen wir Ihnen die monatliche Rubrik "Aktuelles am Himmel", die in jedem Heft von "Sterne und Weltraum" erscheint.

Ist der Mond dann untergegangen, sollte man sich einen dunklen Beobachtungsort suchen und dort ein möglichst großes Teleskop aufbauen, denn es gibt viel zu sehen. Am Frühlingshimmel zeigt sich, was ich gerne die "Straße der Galaxien" nenne, analog zur Milchstraße. Dieser große Streifen fängt an der Deichsel des Großen Wagens im Sternbild Großer Bär an, zieht sich über die Sternbilder Jagdhunde, Haar der Berenike, Löwe hinweg bis weit südlich der Jungfrau. Unter guten Beobachtungsbedingungen zeigen sich hier schon mit mittleren Teleskopdurchmessern ab etwa 15 bis 20 Zentimeter hunderte Galaxien. An dieser Stelle kann ich daher nur einige der schönsten herauspicken.

Übersichtskarte der "Straße der Galaxien"
© Tobias Häusler / Easy Sky
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Von der Deichsel des Großen Wagens im Sternbild Großer Bär zieht sich die "Straße der Galaxien" bis weit in den Süden in das Sternbild Jungfrau. Die violetten Kreise zeigen einige der dort vorhandenen Galaxien an.

Fangen wir direkt über unseren Köpfen fast im Zenit an. Die Feuerradgalaxie Messier 101 steht etwas über der Deichsel des Großen Wagens. Sie bildet ein gleichseitiges Dreieck mit den Sternen Benethnash und Mizar/Alkor, dem Reiterlein. Die Galaxie ist sehr groß und hat eine geringe Flächenhelligkeit, daher ist hier eine kleine Vergrößerung angebracht. Wenn Sie bei dieser Galaxie die Spiralarme erkennen können, sind die Beobachtungsbedingungen sehr gut. Auf der anderen Seite der Deichsel befindet sich die Strudel- oder Whirlpool-Galaxie Messier 51. Sie besteht eigentlich aus zwei Galaxien, die miteinander wechselwirken. Im Teleskop zeigt sie sich als wunderschöne Spirale mit einem kleinen Begleiter.

Etwas weiter südlich treffen wir auf den Sonnenblumen-Nebel Messier 63. Die Galaxie ist oval mit einem besonders hellen Zentrum. In größeren Teleskopen offenbart sie eine netzartige Struktur aus vielen Staubwolken in der Scheibe. Daneben liegt die Galaxie Messier 94. Sie erscheint im Teleskop aber eher unspektakulär und leicht oval. Ich selbst konnte hier noch keine Details erkennen.

Aufsuchkarte um die Deichsel des Großen Wagens
© Tobias Häusler / Easy Sky
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 Bild vergrößernAufsuchkarte um die Deichsel des Großen Wagens
Im Bereich der Deichsel des Großen Wagens im Sternbild Großer Bär lassen sich zahlreiche Galaxien sichten, darunter die Feuerradgalaxie Messier 101, die Whirlpool-Galaxie Messier 51, den Sonnenblumen-Nebel Messier 63 oder die Welteninsel Messier 94.

Noch weiter südlich wird es etwas schwierig, sich zu orientieren, da helle Sterne als Aufsuchhilfe fehlen. Auf halber Strecke zwischen den Sternbildern Jagdhunde und Haar der Berenike befindet sich ein ganz besonderes Galaxienpärchen. Die beiden Welteninseln werden Walfisch- beziehungsweise Hockeyschläger-Galaxie genannt. Den Grund dafür sieht man sofort im Teleskop. NGC 4631 ist einem Wal zum Verwechseln ähnlich. Man hat sogar das Gefühl, die Flossen und ihren Begleiter als Jungtier zu erkennen – ein Anblick, der sich wirklich lohnt. Direkt daneben liegt der Hockeyschläger NGC 4565, der ebenfalls seinem Namen alle Ehre macht.

Im Sternbild Haar der Berenike angekommen, werden wir fast von der Anzahl der Galaxien überwältigt, denn hier schauen wir in den so genannten Coma-Galaxienhaufen. Überall finden sich hier kleine längliche Wölkchen, die eine eigene Welteninsel darstellen, die jeweils Milliarden einzelner Sterne enthält.

Blick in den Coma-Galaxienhaufen
© Tobias Häusler / Easy Sky
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 Bild vergrößernBlick in den Coma-Galaxienhaufen
Im Sternbild Haar der Berenike (Coma Berenices) lässt sich eine große Anzahl an Galaxien beobachten, denn wir blicken hier in den Coma-Galaxienhaufen, der Hunderte von Welteninseln enthält.

Eine dieser Galaxien sticht besonders hervor, denn durch ihre Kantenlage ist NGC 4565 sehr auffällig und schön anzuschauen. Sie ist lang gezogen mit spitzen Enden und einem dunklen Staubwolkenband in der Mitte. Daher wird sie auch Nadelgalaxie genannt.

Weiter auf der Straße der Galaxien nach Süden treffen wir in Richtung Jungfrau auf die so genannte Galaxie mit dem schwarzen Auge, Messier 64. Sie erhielt ihren Namen wegen einer bogenförmigen dunklen Staubwolke nahe ihrem Zentrum. Darunter treffen wir auf den riesigen Virgo-Galaxienhaufen. Etwa im Zentrum befindet sich Messier 87 oder Virgo A. Das Schwarze Loch im Zentrum stößt einen mächtigen Jet aus, den man allerdings nur in großen Teleskopen erkennen kann. Diese Galaxie ist auch eine besonders starke Radioquelle und daher interessant für Radioastronomen. Etwas tiefer im Sternbild Jungfrau befindet sich die Galaxie Messier 61. Wir sehen sie wie auch die Whirlpool-Galaxie direkt aus der Vogelperspektive, sie zeigt uns ebenfalls ausgeprägte Spiralarme.
Galaxien im Sternbild Jungfrau
© Tobias Häusler / Easy Sky
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Auch im Sternbild Jungfrau (lateinisch: Virgo) lässt sich eine Vielzahl von Galaxien sichten, denn hier blicken wir in den Virgo-Galaxienhaufen. Das Zentrum des Galaxienhaufens wird von der elliptischen Riesengalaxie Messier 87 oder Virgo A markiert. Als zusätzliches Schmankerl hält sich derzeit in der Jungfrau der Riesenplanet Jupiter auf (orangefarbener Punkt).

Zuletzt möchte ich noch die Sombrero-Galaxie Messier 104 erwähnen. Man findet sie zwischen den Sternbildern Jungfrau und Rabe in einer Region mit wenig hellen Sternen. Die Galaxie hat wie viele andere ihren Namen von ihrer Erscheinung. Im Teleskop zeigt sich eine längliche Wolke mit einem hellen Zentrum und einem dunklen Staubband am Rand. Die Galaxie ist in Wirklichkeit kreisrund und zeigt keine Spiralarme. Es gibt mit Sicherheit noch weitere wunderschöne Perlen in dieser Masse an Galaxien, schauen Sie doch einfach einmal rein.

Galaxien lassen sich oft nicht leicht aufsuchen, daher empfehle ich zunächst niedrige Vergrößerungen um 30- bis 40-fach. Hat man eine Galaxie gefunden, kann es durchaus hilfreich sein, eine stärkere Vergrößerung um mindestens das 100-Fache auszuprobieren, um Details zu erkennen. Auch indirektes Sehen ist hier oft sehr hilfreich, da die meisten der beschriebenen Galaxien mit rund 9 bis 12 mag ziemlich leuchtschwach sind. Filter sind jedoch bei der Galaxienbeobachtung hinderlich, da Galaxien durch ihre Sterne annähernd kontinuierlich Licht freisetzen und somit von Filtern wie der Himmelshintergrund ungewollt mit abgedunkelt werden.