Freud und Leid stehen uns ins Gesicht geschrieben. Oder etwa doch nicht? Laut Forschern aus Israel und den USA gibt die Mimik längst nicht so gut Auskunft über unsere Gefühle, wie wir gemeinhin annehmen. Wie ihre Studie zeigt, drücken sich starke Emotionen besonders deutlich in der Körperhaltung aus.

Hillel Aviezer von der Hebräischen Universität Jerusalem und seine Kollegen präsentierten ihren Versuchspersonen Fotos, auf denen Profitennisspieler während eines wichtigen Matches zu sehen waren. Alle 45 Probanden sollten einschätzen, ob der Spieler gerade einen Ballwechsel gewonnen oder verloren hatte. Einem Drittel stand für diese Aufgabe nur das Gesicht zur Verfügung; 15 weitere Probanden sahen lediglich die Körperhaltung der Tennisspieler. Der letzten Gruppe wurde das komplette Bild gezeigt.

Gewonnen oder verloren?
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Allein anhand des Konterfeis konnten die Probanden Jubel kaum vom Hadern mit der Niederlage unterscheiden. Ganz anders Probanden, die entweder die Haltung oder den Sportler in toto zu sehen bekamen: Für sie war es ein Leichtes, Verlierer und Sieger richtig zu benennen.

Die Bedeutung der Gestik schienen sie dabei unbewusst zu entziffern. Zumindest glaubten die Betrachter der unbearbeiteten Bilder, sie hätten die Emotionen anhand der Mimik erkannt.

Bei starken Gefühlsregungen verschwimmt die Grenze zwischen positivem und negativem Gesichtsausdruck, so die Wissenschaftler. Bisher galt die Lehrmeinung, dass der mimische Ausdruck von guten und schlechten Gefühlen maximal unterschiedlich ist. Demgegenüber betonen Aviezer und sein Team die Bedeutung der Körpersprache.