Ameisen sind zu Unrecht als stets emsige und fleißige Tiere verschrien, finden zwei Myrmekologen, die der Sache über zwei Wochen hinweg mit großer Akribie nachgegangen sind: Denn in Wirklichkeit liegen in einem typischen Staat durchaus einmal gut 70 Prozent der "Arbeiter" den halben Tag lang unbeweglich auf dem faulen Exoskelett, während rund ein Viertel überhaupt nie zu arbeiten scheint. Weniger als drei Prozent der Ameisenbaubelegschaft war dagegen stets aktiv. Diese Zahlen errechneten Daniel Charbonneau und Anna Dornhaus von der University of Arizona, nachdem sie dem Alltag der farbig markierten Ameisen in einer Kolonie von Temnothorax rugatulus mit hochauflösenden Kameraaufnahmen genauestens nachgespürt hatten.

Offenbar, so die Forscher, spielt bei den sozialen Insekten, anders als zuvor gedacht, doch keine innere Uhr als Aktivitätstaktgeber eine Rolle: Die Tiere ruhten demnach auch unabhängig etwa von der Tageszeit. Zudem seien diese gemütlichen Phasen keine dringend nötigen Pausen. Die Wissenschaftler möchten nun herausfinden, was die biologische Rolle der vermeintlichen Faulenzer sein könnte. Womöglich handelt es sich um sehr junge oder alte Tiere, die ihren Teil in anderen Lebensphasen beitragen. Das soll nun geklärt werden, indem die Kameras noch längere Zeit laufen.