Zwei unabhängige Studien lenken den Blick auf die wichtige Rolle von Klimaveränderungen beim Untergang von einst mächtigen und blühenden Zivilisationen: Sowohl die klassische Periode der Maya im Mittelamerika des 10. Jahrhunderts wie auch die antike Großmacht Assyriens in Kleinasien vor gut 2500 Jahren gingen wohl auch deshalb zu Grunde, weil ihnen zunehmend schwierige klimatischen Verhältnisse über Jahrzehnte hinweg nach und nach die Reserven geraubt hatten. Am Ende genügte in beiden Fällen ein letzter Anstoß, um das Schicksal zu besiegeln. In beiden Fällen aber spielten zuvor schon mehrere Faktoren ineinander.

Die Assyrer waren nach zwei Jahrhunderten des Aufstiegs im frühen 7. Jahrhundert vor der Zeitrechnung zur dominierende Macht im Nahen Osten geworden, bis sie dann aber gegen Ende des 7. Jahrhunderts einen für Forscher unerklärlich raschen Niedergang erlebten. Offensichtlich hatten Bürgerkriege, politische Unruhen und die Zerstörung der Hauptstadt Ninive durch die Koalition der Streitkräfte Babyloniens und Mediens im Jahr 612 vor der Zeitrechnung das Ende eingeleitet – fraglich ist aber bis heute, warum die damalige militärische Supermacht so plötzlich und schnell zusammenbrechen konnte.

Nun zeigen Adam Schneider von der University of California in San Diego und Selim Adalı vom türkischen Research Center for Anatolian Civilizations auf, welchen Belastungen das antike Staatswesen in den Jahrzehnten vor dem endgültigen Zusammenbruch ausgesetzt war. Dazu werteten sie paläoklimatische Daten aus, die belegen, dass das Klima im Nahen Osten während der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts deutlich trockener wurde. Gleichzeitig erlebte die Region aber ein starkes Bevölkerungswachstum, weil viele Menschen aus den besetzten Gebieten dorthin zwangsumgesiedelt wurden. Beide Bedingungen dürften es es dem Staat erschwert haben, mehrjährige Dürren wie jene um das Jahr 657 vor der Zeitrechnung durchzustehen. Offenbar begann damals die politische und wirtschaftliche Stabilität des assyrischen Staats zu schwinden – einer der Gründe, warum er dann von seinen Feinden überrollt wurde.

Ein vergleichbares, aber noch komplexeres Klimakatastrophenszenario spielte sich dann gut anderthalb Jahrtausende später eine halbe Welt entfernt ab: In Mittelamerika hatten zwischen 800 und 950 nach der Zeitenwende ständige Dürren geherrscht, was wohl nach gängiger Theorie das Ende der klassischen Periode der Maya-Kultur einläutete. Was genau damals geschehen ist, analysierten nun Forscher um Amy Benoit Frappier vom Skidmore College in den USA noch genauer als vorher. Vor allem interessierte sie, ob die durch viele Indizien gut belegte Dürre damals durch eine starke Abnahme der Hurrikanaktivität ausgelöst wurde – oder damit irgendwie in Zusammenhang stand.

Assyrische Kunst
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Ein geflügelter Bulle mit Menschenkopf – die Reliefstatue schmückte den Palast des assyrischen Herrschers Sargon II. in der Stadt Dur Sharrukin, heute das irakische Khorsabad.

Die Häufigkeit von Hurrikanen in der Dürrephase haben die Wissenschaftlern mit einem Trick ermitteln können, den zuvor vor Ort noch keiner angewendet hatte: Sie zählten die wie Jahresringe anmutenden Schmutzeinlagerungen in Stalagmiten aus, die in den Kalksteinhöhlen der Umgebung heranwachsen. Solche Schmutzringe wurden immer nur eingelagert, wenn die Höhlen überschwemmt werden. Tatsächlich ergab die Auswertung nun, dass die Hurrikane in der kritischen Endphase des Maya-Niedergangs tatsächlich gar nicht seltener auftraten als in den Jahrhunderten zuvor – trotz der Dürre.

Dies bedeute nun zunächst, dass die Dürre und die Hurrikanhäufigkeit offenbar wenig miteinander zu tun hatten. Es mag, so glauben die Forscher, aber auch bedeuten, dass die Wirbelstürme zwar nicht seltener waren, dafür aber womöglich deutlich heftiger. Denn in der Dürrezeit lag auch der Wasserspiegel niedriger, und nur starke Hurrikane konnten die Tropfsteinhöhle überhaupt noch überschwemmen, spekulieren Frappier und Kollegen. So scheint sich herauszukristallisieren, dass die mesoamerikanische Hochkultur nicht nur mit der Dürre, sondern immer wieder auch mit besonders heftigen Stürmen zu tun hatte. Alles zusammen – und weitere Faktoren – dürften dann dafür gesorgt haben, dass die Maya ihre urbanen Zentren und damit die Kontrolle nach und nach verloren.