Seit Ende Oktober 2015 häufen sich Berichte über sehr helle Sternschnuppen, so genannte Feuerkugeln oder Boliden, über Europa und weltweit. Sie gehen auf Partikel der Sternschnuppenströme der Tauriden zurück, die sich derzeit dem Maximum ihrer Aktivität nähern. Die Tauriden gliedern sich in einen nördlichen und einen südlichen Zweig. Sie scheinen am Himmel aus dem Sternbild Stier, lateinisch: Taurus, zu strömen. Im Normalfall sind beide Sternschnuppenströme eher unauffällig und liefern nur einige wenige Sternschnuppen pro Stunde. Am 12. November erreichen die nördlichen Tauriden ihr Maximum, dann lassen sich bis zu fünf Meteore pro Stunde sichten. Diese Angabe bezieht sich jedoch auf ideale Bedingungen, also einen tiefdunklen, klaren Himmel abseits der Städte und das Sternbild Stier hoch am Himmel.

Ein heller Tauridenmeteor am 31. Oktober 2015 über den Alpen
© Erwin Filimon
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernEin heller Meteor vom 31. Oktober 2015
Erwin Filimon gelang dieses Bild eines hellen Meteors am 31. Oktober 2015 um 22:40 Uhr MEZ von der Sternwarte Gahberg im Salzkammergut aus. Die Sternschnuppe gehört zu den Tauriden-Meteoren.

Gelegentlich kommt es bei den Tauriden jedoch zu "Schwarmjahren", in denen die Aktivität etwas erhöht ist. Dann können bis zu zehn Sternschnuppen pro Stunde gesichtet werden. Für Oktober und November 2015 sagten die Simulationen der Meteorforscher ein solches Schwarmjahr voraus. Dabei kann es immer wieder zu Feuerkugeln kommen, die kurzzeitig sogar heller als der Mond leuchten. Auch in den nächsten Tagen lohnt es sich daher, nach Sternschnuppen Ausschau zu halten – vielleicht werden Sie mit einer Feuerkugel belohnt. Sollten Sie einen solchen Boliden sichten, freut sich die International Meteor Organisation, die Feuerkugel-Ereignisse und Meteoritenfälle weltweit registriert, über Ihre Mitteilung.

So spektakulär diese Feuerkugeln sind, gehen sie dennoch auf eher kleine Objekte zurück, die etwa so groß wie eine Faust oder ein Fußball sind. Den Tauriden-Meteoren ist gemein, dass von ihnen kein Material in Form von Meteoritenbruchstücken die Erde erreicht. Sie sind Bruchstücke des kurzperiodischen Kometen 2P/Encke, die er bei seinen Umläufen um die Sonne in der Nähe seiner Bahn zurückließ. Durchläuft dann die Erde diese Kometenreste, so kommt es zu einem gehäuften Auftreten von Sternschnuppen: Ein Meteorstrom wird sichtbar.

Die Leuchterscheinungen selbst gehen auf die hohen Geschwindigkeiten der Teilchen beim Eintritt in die Erdatmosphäre zurück. Im Fall der Tauriden beträgt die Eintrittsgeschwindigkeit 30 Kilometer pro Sekunde (108 000 Kilometer pro Stunde). Die eintretenden Teilchen bilden dabei in der Erdatmosphäre eine keilförmige Stoßwelle aus, deren Spitze der Bolide bildet. In dieser Stoßwelle werden durch die hohen Geschwindigkeiten Temperaturen von mehr als 10 000 Grad Celsius erreicht. Diese Hitze sorgt dafür, dass die Teilchen beim Eintritt völlig verglühen und höchstens feinster Staub zurückbleibt. Kometen bestehen aus sehr fragilem Material, das einen Atmosphäreneintritt nicht übersteht.