Nicht nur seine Größe macht Spinosaurus aegyptiacus zu einem einzigartigen Tier, sondern auch seine für Dinosaurier außergewöhnliche Lebensweise: Er war hervorragend an ein Leben im Wasser angepasst. Das schlussfolgern Forscher um Nizar Ibrahim und Paul Sereno von der University of Chicago jetzt aus der Analyse eines rund 95 Millionen Jahre alten Skelettfunds. Kein anderer Dinosaurier hatte vergleichbare Anpassungen.

Der rund 15 Meter lange und bis zu 20 Tonnen schwere Koloss aus der Kreidezeit lebte vermutlich ähnlich wie heutige Krokodile oder Flusspferde an und im Süßwasser. Seine lange Schnauze mit den dolchartigen Zähnen half ihm dabei, Fische aller Größen und Gewichtsklassen zu jagen. Weitere Funde deuten darauf hin, dass er in einem Ökosystem lebte, das auch von Haien, Sägefischen und Quastenflossern bewohnt war.

<em>Spinosaurus aegyptiacus</em>
© Spinosaurusmodell: Tyler Keillor, Lauren Conroy & Erin Fitzgerald, University of Chicago / Ibrahim, N. et al.: Semiaquatic Adaptations in a Giant Predatory Dinosaur. In: Science 10.1126/science.1258750, 2014; Mensch: pixabay / Kaz / CC0
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Auf die halbaquatische Lebensweise schließt das Forscherteam aus zahlreichen Anpassungen, die sie am Skelett beobachten konnten. Beispielsweise waren die Nasenlöcher des Dinosauriers so platziert, dass er noch mit halb eingetauchtem Kopf atmen konnte. Zudem dürfte er über ein Sinnesorgan an der Spitze der Schnauze verfügt haben, das ihm das Erspüren von Bewegungen im Wasser ermöglichte und das sich in ähnlicher Form bei Krokodilen findet. Auch waren seine Knochen besonders dicht und folglich schwer genug, um die Gliedmaßen von allein absinken zu lassen.

Weitere Anhaltspunkte liefert der Körperbau an sich: Anders als bei Landraubtieren wie Tyrannosaurus rex, die Zweifüßer waren, lag der Schwerpunkt von S. aegyptiacus weiter vorn. Er bewegte sich wahrscheinlich ausschließlich auf allen vieren fort, was beim Schwimmen oder Paddeln günstig ist. Seine kräftigen Hinterbeine und die platten, vielleicht mit Schwimmhäuten versehenen Füße lieferten den Vortrieb. Bereits vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler aus Isotopenanalysen den Schluss gezogen, dass Spinosaurus im Wasser lebte.

Wozu diente das Rückensegel?

Das gesamte "Paket" an Anpassungen zeige, so die Forscher, dass S. aegyptiacus eine völlig eigenständige Entwicklungsroute eingeschlagen hatte: Kein anderer Dinosaurier ist bekannt, der eine entsprechende Anpassung zeigte; wasserbewohnende Echsen wie die Plesiosaurier hingegen sind mit den Dinosauriern nur entfernt verwandt.

Für sein mysteriösestes Körperteil liefert allerdings auch die neue Studie keine eindeutige Erklärung: Das gewaltige Rückensegel, das sich an den Dornfortsätzen seiner Wirbelsäule aufspannt, hatte keine unmittelbar erkennbare Funktion. Es dürfte die meiste Zeit aus dem Wasser geragt haben und diente möglicherweise der Kommunikation mit Artgenossen. Dass es ihm beim Schwimmen half, halten die Forscher für unwahrscheinlich.

Das Fossil wurde in Süßwassersedimenten im marokkanischen Teil der Sahara, den so genannten Kem-Kem-Beds, entdeckt. Teile des Skeletts wurden von privaten Fossilienjägern ausgegraben und außer Landes geschmuggelt. Um die genauen Fundumstände in Erfahrung zu bringen, mussten die Wissenschaftler die Entdecker durch mühsame Recherche ausfindig machen.