Direkt zum Inhalt
Dinosaurier

Spinosaurus aegyptiacus - der Raubsaurier aus dem Wasser

Er übertraf sogar T. rex an Statur: Der gewaltige Spinosaurus ist wohl der größte Fleischfresserdino aller Zeiten. Ein Skelettfund offenbart jetzt seine einzigartige Lebensweise.
<em>Spinosaurus aegyptiacus</em>

Nicht nur seine Größe macht Spinosaurus aegyptiacus zu einem einzigartigen Tier, sondern auch seine für Dinosaurier außergewöhnliche Lebensweise: Er war hervorragend an ein Leben im Wasser angepasst. Das schlussfolgern Forscher um Nizar Ibrahim und Paul Sereno von der University of Chicago jetzt aus der Analyse eines rund 95 Millionen Jahre alten Skelettfunds. Kein anderer Dinosaurier hatte vergleichbare Anpassungen.

Der rund 15 Meter lange und bis zu 20 Tonnen schwere Koloss aus der Kreidezeit lebte vermutlich ähnlich wie heutige Krokodile oder Flusspferde an und im Süßwasser. Seine lange Schnauze mit den dolchartigen Zähnen half ihm dabei, Fische aller Größen und Gewichtsklassen zu jagen. Weitere Funde deuten darauf hin, dass er in einem Ökosystem lebte, das auch von Haien, Sägefischen und Quastenflossern bewohnt war.

<em>Spinosaurus aegyptiacus</em>
Spinosaurus aegyptiacus |

Körperbau und zahlreiche Detailanpassungen deuten darauf hin: Der tonnenschwere Koloss war ein behänder Schwimmer. Der lange Schwanz war extrabeweglich und lieferte im Verbund mit den Hinterbeinen im Wasser den Vortrieb.

Der abgebildete Mensch dient dem Größenvergleich.

Auf die halbaquatische Lebensweise schließt das Forscherteam aus zahlreichen Anpassungen, die sie am Skelett beobachten konnten. Beispielsweise waren die Nasenlöcher des Dinosauriers so platziert, dass er noch mit halb eingetauchtem Kopf atmen konnte. Zudem dürfte er über ein Sinnesorgan an der Spitze der Schnauze verfügt haben, das ihm das Erspüren von Bewegungen im Wasser ermöglichte und das sich in ähnlicher Form bei Krokodilen findet. Auch waren seine Knochen besonders dicht und folglich schwer genug, um die Gliedmaßen von allein absinken zu lassen.

Weitere Anhaltspunkte liefert der Körperbau an sich: Anders als bei Landraubtieren wie Tyrannosaurus rex, die Zweifüßer waren, lag der Schwerpunkt von S. aegyptiacus weiter vorn. Er bewegte sich wahrscheinlich ausschließlich auf allen vieren fort, was beim Schwimmen oder Paddeln günstig ist. Seine kräftigen Hinterbeine und die platten, vielleicht mit Schwimmhäuten versehenen Füße lieferten den Vortrieb. Bereits vor einigen Jahren hatten Wissenschaftler aus Isotopenanalysen den Schluss gezogen, dass Spinosaurus im Wasser lebte.

Wozu diente das Rückensegel?

Das gesamte "Paket" an Anpassungen zeige, so die Forscher, dass S. aegyptiacus eine völlig eigenständige Entwicklungsroute eingeschlagen hatte: Kein anderer Dinosaurier ist bekannt, der eine entsprechende Anpassung zeigte; Wasser-bewohnende Echsen wie die Plesiosaurier hingegen sind mit den Dinosauriern nur entfernt verwandt.

Für seinen mysteriösesten Körperteil liefert allerdings auch die neue Studie keine eindeutige Erklärung: Das gewaltige Rückensegel, das sich an den Dornfortsätzen seiner Wirbelsäule aufspannt, hatte keine unmittelbar erkennbare Funktion. Es dürfte die meiste Zeit aus dem Wasser geragt haben und diente möglicherweise der Kommunikation mit Artgenossen. Dass es ihm beim Schwimmen half, halten die Forscher für unwahrscheinlich.

Das Fossil wurde in Süßwassersedimenten im marokkanischen Teil der Sahara, den so genannten Kem-Kem-Beds, entdeckt. Teile des Skeletts wurden von privaten Fossilienjägern ausgegraben und außer Landes geschmuggelt. Um die genauen Fundumstände in Erfahrung zu bringen, mussten die Wissenschaftler die Entdecker durch mühsame Recherche ausfindig machen.

38. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 38. KW 2014

Lesermeinung

1 Beitrag anzeigen

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

SciViews