Ein sensationelles Forschungsergebnis vom April 2017 hat sich als vermutlich voreilig erwiesen. Eine Arbeitsgruppe um Till Opatz von der Universität Mainz versuchte eine Untersuchung eines spanischen Teams zu reproduzieren, nach der die Raupen der Wachsmotte Galleria mellonella Plastiktüten aus Polyethylen verdauen können. Dabei erhärtete die deutsche Arbeitsgruppe bestehende Zweifel an den Daten der Originalpublikation, laut denen der Versuchsaufbau das Abbauprodukt Ethylenglykol freisetzen sollte. Wie Opatz nun in "Current Biology" berichtet, treten die fraglichen Signale auch in Kontrollversuchen auf, umgekehrt fehlen wichtige Signale des Abbauprodukts.

Dass die Raupen Löcher in Plastiktüten fressen, ist dabei unstrittig – diese Beobachtung gab den Anstoß zur ursprünglichen Studie. Die Frage ist vielmehr, ob die Raupen das Plastik wirklich verdauen oder es einfach nur zerkauen und unverändert wieder ausscheiden. Die Gruppe um Federica Bertocchini von der Universidad de Cantabria in Santander behandelte Plastikstückchen mit Raupenmatsch, in denen sie das Plastik zerlegende Enzym vermutete. Als Nachweis des Abbaus versuchte das spanische Team, in den Proben Ethylenglykol zu finden. Nun jedoch zeigt das Team um Opatz, dass die zermatschten Raupen selbst Teile des Signals des gewünschten Produkts imitieren. Dagegen tauchen neue, in der Analyse fehlende Signale auf, sobald man als Gegenprobe Ethylenglykol hinzugibt.