Anfang dieses Jahres machten die Krebsforscher Bert Vogelstein und Cristian Tomasetti von der Johns Hopkins University mit einer Studie Schlagzeilen, mit der sie eine unterschätzte Ursache für die Entstehung von Krebs thematisierten: Pech. Ihrer Analyse zufolge spielen zufällige negative Mutationen rein quantitativ – bezogen auf alle Krebsarten – eine bedeutendere Rolle als etwa Risikofaktoren im Lebenswandel. Und dies auch, wenn der Einzelne natürlich mit einem ungesunden Lebenswandel – etwa Rauchen – und durch andere äußere schädliche Einflüssen sein Risiko für das Entstehen dieser Mutationen insgesamt deutlich erhöhen kann.

Nur diese letzte Schlussfolgerung unterstreichen nun Forscher um den Krebsforscher Yusuf Hannun von der Stony Brook University in New York. Sie hatten versucht zu berechnen, wie stark äußere Einflüsse tatsächlich einwirken – etwa der Umzug eines Patienten von einer gesunden Umgebung in eine, in der bekannte Krebs auslösende Umwelteinflüsse stärker wirken; oder eine stärkere oder schwächere durchschnittliche UV-Einstrahlung. Dabei beobachteten sie einen unerwarteten Effekt: Tatsächlich scheinen unterschiedliche Störeinflüsse in verschiedenen Geweben doch unterschiedlich schwer zu wirken – was einige der Schlussfolgerungen von Vogelstein und Tomasetti zum Teil entkräftet.

Denn diese hatten den Zufall als eine Hauptursache postuliert, weil sie eine auffällige Korrelation der Teilungs- und Krebsraten in 31 Geweben feststellen konnten. Sie vermuteten daher, dass sich die Stammzellen in den unterschiedlichen Organen nur unterschiedlich schnell teilen, aber eben nicht per se unterschiedlich häufig entarten, sondern statistisch gleich oft und zufällig. Dies muss angesichts der Daten von Hannun und Kollegen nun modifiziert werden: Tatsächlich scheinen unterschiedliche Krebs auslösende Faktoren doch auf unterschiedliche Stammzellen unterschiedlich schädlich zu wirken. Dies müsse einkalkuliert werden, meint Hannun: Der Einfluss des Zufalls ist daher doch geringer, der von mutagenen Umwelteinflüssen größer als gedacht.

Beide Forschergruppen streiten noch um Details ihrer Studien, berichtet "Nature News" – beide weisen aber immerhin übereinstimmend darauf hin, dass Prävention und das Vermeiden bekannter Krebsauslöser wichtig bleiben. Wie wichtig genau, wird wohl weiter diskutiert werden.