Mit dem Zyklon Chapala traf am 3. November 2015 zum ersten Mal seit Beginn moderner Wetteraufzeichnungen ein Tropensturm auf den Jemen. Nun droht dem Land zum zweiten Mal in kurzer Zeit Ungemach, denn der Zyklon Megh bewegt sich auf die Arabische Halbinsel zu und könnte die Küste bereits am Sonntag mit heftigen Winden, starken Niederschlägen und Sturmfluten erreichen – ein meteorologischer Doppelschlag für das vom Krieg gezeichnete Land. Wie bereits sein Vorgänger könnte auch Megh zu einem Wirbelsturm der Klasse 1 anschwellen – der schwächsten Hurrikanstufe. Der Jemen ist allerdings überhaupt nicht für derartiges Extremwetter gewappnet.

Berichte über Schäden gelangten aus dem isolierten Land kaum in die Medien; in manchen Regionen regnete es jedoch innerhalb von 48 Stunden mehr als 600 Millimeter – das entspricht dem Siebenfachen des normalen Jahresniederschlags vor Ort. Infolgedessen kam es zu zahlreichen Erdrutschen und Überschwemmungen, wie Satellitenbilder zeigen. Mindestens acht Menschen starben auf dem Festland. Meteorologen hoffen allerdings, dass Megh geringere Schäden anrichten könnte, weil verschiedene Faktoren seine Entwicklung hemmen. Verglichen mit seinem Vorgänger weist er ein schwächer ausgebildetes Konvektionszentrum auf; zudem ist er insgesamt weniger robust: Chapala erreichte zeitweilig die Stärke 3 und konnte daher trockenen Winden vom Horn von Afrika und aus der Arabischen Halbinsel mehr Widerstand entgegenbringen, die ansonsten die antreibende Konvektion behindern. Mittlerweile haben sich auch Scherwinde im Golf von Aden verstärkt, die ebenfalls Wirbelstürme beeinträchtigen und schwächen können. Dennoch muss sich die lokale Bevölkerung auf ergiebige Regenfälle und Sturmböen einstellen.