Die Jökulsárgljúfur-Schlucht in Island zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Insel: Auf 28 Kilometer Länge und bis zu 100 Meter Tiefe bahnt sich hier ein Fluss den Weg durch Basaltgestein. Doch das imposante Naturdenkmal wurde nicht durch langsame Prozesse geformt. Stattdessen genügten offenbar drei Sturzfluten katastrophalen Ausmaßes.

Das ergaben jetzt Messungen von Heliumisotopen, die Forscher des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ in Potsdam durchführten. Die Flutereignisse fanden vermutlich vor etwa 9000, 5000 und 2000 Jahren statt. Wahrscheinlich schmolzen Vulkanausbrüche unter Gletschern große Mengen Wasser auf, die sich dann plötzlich den Weg ins Freie bahnten. Geoforscher sprechen von so genannten Gletscherläufen.

Dass sich tatsächlich nur drei Ereignisse ins Basaltgestein der Schlucht schnitten, schließen die Wissenschaftler aus der Konzentration des Edelgasisotops 3He. Es entsteht im Gestein ausschließlich durch Einwirkung der kosmischen Strahlung. "Die 3He-Konzentration in einem Gesteinsstück dient daher als Maß dafür, seit wann sich diese Gesteine direkt auf der Oberfläche befanden", erklärt GFZ-Forscher Samuel Niedermann.

Die Proben aus dem Jökulsárgljúfur-Canyon reihten sich alle in drei Altersgruppen von zirka 9000, 5000 und 2000 Jahren ein. Demnach wurden die untersuchten Oberflächen also während dieser drei zeitlich eng begrenzten Perioden freigelegt, während in den Zwischenzeiten und auch in den letzten zwei Jahrtausenden keine wesentlichen Veränderungen geschahen.

Gletscherläufe mit ihrer landschaftsumwälzenden Kraft sind in Island keine Seltenheit. Derzeit gilt insbesondere die Gegend um den Schlot des Vulkans Katla als gefährdet. Experten befürchten, dass von dort jederzeit ein besonders verheerender Gletscherlauf ausgehen könnte.