20 000 Tote, riesige Tsunamis und ein zerstörter Atomreaktor: Das Tohoku-Beben 2011 bedeutete eine nationale Katastrophe für Japan und gehörte mit seiner Magnitude von 9,0 zu den stärksten Erschütterungen der letzten Jahrzehnte. Und diese könnten die Aktivität der japanischen Vulkane in den nächsten Jahren anheizen, warnt der Vulkanologe Toshitsugu Fuji von der Universität Tokio gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: Das Beben habe den gesamten Untergrund Japans erschüttert und damit wahrscheinlich dem Magma neue Aufstiegswege in der Erdkruste ermöglicht. Das Risiko schwerer Ausbrüche sei ohnehin bereits erhöht, da die Feuerberge des Landes während des vergangenen Jahrhunderts außergewöhnlich ruhig waren. Manche wie der Fuji seien ohnehin schon überfällig. Geologische Daten belegen, dass der Vulkan über eine lange Zeit hinweg rund alle 30 Jahre ausbrach, doch nun ruht er bereits seit 1707.

Erst im letzten Monat überraschte eine heftige Eruption am Ontake Experten wie Bergwanderer gleichermaßen: Nichts hatte auf einen schweren Ausbruch hingedeutet, als es am 27. September plötzlich zu einer hydrothermalen Explosion kam – mehr als 50 Menschen starben durch pyroklastische Ströme und heiße Aschewolken. Prinzipiell stehen schwere Erdbeben im Verdacht, Vulkanausbrüche zu begünstigen. Der Prozess ähnelt einer beim Öffnen überschäumenden Sprudelflasche: Vor einem Beben verhindern die verkeilten Gesteinsschichten, dass sich die gasreiche Gesteinsschmelze ausdehnt. Verlagern sich jedoch durch einen Erdstoß die Spannungen, fehlt der Gegendruck plötzlich. Erschüttert das Beben zudem die Magmenkammer, kann das Gas der Schmelze schlagartig entweichen und den Innendruck weiter erhöhen, bis der Vulkan regelrecht überschäumt.