Neuntöter
© Per Ekberg
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Im Frühjahr 2011 wunderten sich viele Vogelbeobachter über die späte Ankunft von Neuntötern (Lanius collurio) und Sprossern (Luscinia luscinia). Forscher um Anders Tøttrup von der Universität Kopenhagen haben nun des Rätsels Lösung gefunden: Die Dürre in Ostafrika hatte die Tiere aufgehalten.

In den Jahren 2010 und 2012 rasteten die Neuntöter auf dem Weg von Südafrika in ihre europäischen Brutgebiete neun Tage und die Sprosser drei Wochen. Im Jahr 2011 jedoch verbrachten die Neuntöter im Schnitt 18 Tage und die Sprosser vier Wochen an ihrem Zwischenstopp. Diese Daten ermittelten die Wissenschaftler anhand winziger Sender, die den jeweiligen Aufenthaltsort von 26 Tieren seit dem vorangegangenen Herbst aufzeichneten und so die Zugroute enthüllten.

Das Horn von Afrika ist ein wichtiges Rastgebiet für die Vögel, die dort ihre Energiereserven auffüllen, bevor sie die Etappe über die Arabische Halbinsel nach Norden antreten. Tøttrup und seine Kollegen vermuten, dass auf Grund der Dürre das Nahrungsangebot so gering war, dass der längere Aufenthalt nötig war, um genug zu fressen zu finden.

Auch andere Zugvogelarten, die über Ostafrika gen Norden fliegen, verspäteten sich im Frühjahr 2011, so die Forscher weiter. Arten mit anderen Zugrouten hingegen trafen zur üblichen Zeit ein. Die Verspätung von Neuntöter und Sprosser fiel um so mehr auf, als Zugvögel auf Grund des Klimawandels in den letzten Jahren zunehmend früher in ihren Brutgebieten eintreffen. Man habe keine Nachwirkungen der späteren Ankunft und damit auch des verspäteten Brutbeginns auf die Neuntöter- und Sprosserpopulationen beobachtet, erklärt Tøttrup: "Aber vielleicht haben wir das Gesamtausmaß auch nur noch nicht erfasst."

Die Dürrekatastrophe am Horn von Afrika gehörte zu den schwersten ihrer Art seit Jahrzehnten: Die Niederschläge der Regenzeiten im Herbst 2010 und im Frühjahr 2011 fielen extrem gering aus, so dass sowohl die Land- als auch die Viehwirtschaft hohe Verluste erlitten und die Nahrungsmittelpreise explodierten. Obwohl sich die Situation inzwischen etwas entspannt hat, warnte die Kinderhilfsorganisation Unicef im Juli 2012, dass noch immer Millionen Menschen auf Unterstützung angewiesen sind.