Durch ihre genau abgestimmte Duftmischung von Lockstoffen und ungenießbaren Substanzen optimieren Blütenpflanzen ihren Bestäubungserfolg. Dies demonstrierten Max-Planck-Forscher in Jena mit Freilandexperimenten an gentechnisch veränderten Tabakpflanzen.

Kolibri
© Danny Kessler
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Wilder Tabak (Nicotiana attenuata) nutzt als Lockstoff für Bestäuber wie Kolibris oder den Tabakschwärmer (Manduca sexta) unter anderem Benzylaceton, das sie im Bereich der Blütenkrone absondern. Um aber zu verhindern, dass die Besucher – oder gar ungebetene Gäste, die nicht zur Bestäubung beitragen – zu viel des kostenintensiven Nektars rauben, mischen die Pflanzen dem süßen Saft bitteres Nikotin bei.

Ian Baldwin vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena und seine Kollegen untersuchten nun an vier gentechnisch veränderten Sorten, die entweder beide, keinen der beiden oder jeweils einen der beiden Stoffe herstellen konnten, wie sich die unterschiedliche Duftzusammensetzung auf den Fortpflanzungserfolg der Pflanzen auswirkte. Sie stellten fest, dass Tabak ohne Nikotin das doppelte Nektarvolumen verlor wie die Kontrollpflanzen. Aber auch bei jenen, die kein Benzylaceton mehr bilden konnten, leerten sich die Kelche weniger: Videokameras offenbarten, dass sie erwartungsgemäß deutlich weniger Besuch erhielten.

Indem sie in einem zweiten Schritt die Selbstbefruchtung verhinderten, konnten die Wissenschaftler zeigen, dass nur die Kontrollpflanzen optimal bestäubt beziehungsweise als Pollenlieferanten genutzt wurden. Die großen Verlierer waren jene Pflanzen, die weder Benylaceton noch Nikotin herstellen konnten: Sie waren nur halb so oft befruchtet worden respektive stellten nur in einem Fünftel der Fälle die "Väter" der befruchteten Samen von Wildpflanzen. (af)