Astrophysiker gehen davon aus, dass der Weltraum durchzogen ist von Filamenten aus Dunkler Materie. Diese lang gezogenen Adern verbinden Ansammlungen von Galaxien miteinander – das Weltall gleicht also vermutlich einem gewaltigen Netz. Bereits in der Vergangenheit konnten Forscher das mit Hilfe von Computersimulationen illustrieren. Für beobachtende Astronomen stellen die Filamente jedoch nach wie vor eine Herausforderung dar, schließlich sendet Dunkle Materie selbst kein Licht aus.

Die kanadischen Physiker Seth Epps und Michael Hudson haben sich nun eines Tricks bedient, um zu zeigen, wie eine Brücke aus dem Dunkelstoff aussehen müsste. Die Forscher überlagerten 23 000 Einzelaufnahmen von besonders alten und hellen Galaxienpaaren, die alle etwa 4,5 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Der Sloan Digital Sky Survey, eine groß angelegte Durchmusterung des Himmels, hat in den letzten Jahren etliche dieser LRG-Galaxien (luminous red galaxies) offenbart. Für die Galaxienpaare rekonstruierten die Wissenschaftler nun, wie viel Dunkle Materie sich jeweils zwischen den Sterninseln befindet. Möglich macht das der schwache Gravitationslinseneffekt: Die Masse der Dunklen Materie verzerrt das Licht von Galaxien im Hintergrund, wodurch sich die Masseverteilung rekonstruieren lässt. Einen entsprechenden Datensatz von Hintergrundobjekten lieferte in der Studie von Epps und Hudson das Canada-France-Hawaii-Telescope.

Das Forscherduo überlagerte schließlich die Rekonstruktionen der Dunkle-Materie-Verteilung zwischen den 23 000 Galaxienpaaren und konnte so eine Art Prototyp-Aufnahme für 4,5 Milliarden Jahre entfernte LRGs erstellen. Demnach verbindet die Galaxien im Durchschnitt eine 23 Millionen Lichtjahre lange und acht Millionen Lichtjahre breite Brücke aus Dunkler Materie, die 16 Billionen Sonnenmassen schwer ist, wie die Kanadier im Fachmagazin "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" berichten. Die Astrophysiker räumen ein, dass es vergleichbare Studien bereits in der Vergangenheit gegeben habe. Mit ihrer Methode soll es in Zukunft aber einfacher möglich sein, Filamente aus Dunkler Materie sichtbar zu machen.